Schlimmes Unwetter

12. August 2017 | von Eva in Allgemein | Weingut - (0 Comments)

In der Nacht vom 31. Juli auf den 1. August zog ein schlimmes Unwetter von Nordwesten über dem Taunus kommend über den Rheingau. Insbesondere die Gemeinden Mittelheim, Oestrich, Hallgarten und Hattenheim wurden von schwerem Hagelschlag getroffen. Da wir ausschließlich Lagen in Hallgarten und Hattenheim bewirtschaften hat es sämtliche unserer Flächen mehr oder weniger getroffen. Ganz schlimm sieht es bei unseren Spätburgundern in Hallgarten aus.

In den Tagen nach dem Gewitter war es zum Glück trocken, so dass die beschädigten Beeren einigermaßen eintrocknen konnten. Doch seit dem 8. August regnet es fast täglich und gestern und vorgestern fielen jeweils über 20 Liter / qm². Wir wagen kaum in die Weinberge zu fahren um nachzusehen, was diese Feuchtigkeit anrichtet….

Beschädigte Trauben auf der Westseite

Tauben auf der Westseite

Auf der Ostseite keine Schäden

Die gleiche Trauben auf der Ostseite

vom Hagel beschädigte Spätburgundertrauben vom Hagel durchlöcherte Blätterstark beschädigte Traube

 

 

Zugegeben, ich wußte schon letztes Jahr nicht was dieser Begriff bedeutet und hatte es auch wieder vergessen, bis ich eben den Beitrag von 2014 wieder las. Die Phänologie befasst sich mit den im Jahresablauf periodisch wiederkehrenden Entwicklungserscheinungen in der Natur, heißt es in Wikipedia, und so interpretiere ich das im Falle unseres Weinguts als eine Art Jahrgangs-Verlaufs-Bericht aus unseren Weinbergen. Da ich diesen zwar vorbereitet aber nicht veröffentlicht habe, scheint mir dies eine geeignete Gelegenheit:

Das Weinjahr 2015 war geprägt von Wetterextremen. Wiederholte sommerliche Hitzeperioden mit rekordverdächtigen Höchsttemperaturen wurden jeweils nur kurz von Abkühlungen unterbrochen, die jedoch ab Juni keinerlei Regen mehr mit sich brachten. Im September strapazierten einige regenreiche Tage kurz vor der Lese nochmals unsere Nerven, bevor ein trockener Herbst schließlich doch noch zu einem guten Ende führt.

Das Frühjahr startete mit einem dem Austrieb Ende April geringfügig früher als im Mittel. Dieser leichte Entwicklungsvorsprung blieb bis zur Rebblüte Anfang Juni erhalten. In der Folge wurde die Trockenheit zu einem immer größeren Wachstumsfaktor, denn bis Ende August fehlte uns die Regenmenge von drei durchschnittlichen Monaten.

Besonders auf flachgründigen Böden wurde das Wasser so knapp, dass die Reben die überdurchschnittliche Wärme im Juli und August nur zum Teil ausnutzen konnten und sich die Reife der Beeren sehr verlangsamte. Erstaunlicherweise mussten wir bei unserer Pinot Noir Anlage die wir letztes Jahr neu gepflanzt haben nur die schwächsten Stöcke gießen, alle anderen haben anscheinend schon so tief gewurzelt dass sie immer noch Wasser im Boden aufnehmen konnten.

Durch die andauernde Trockenheit blieben die Weinberge sehr gesund und hatten keinerlei Krankheitsdruck durch falschem Mehltau oder Peronospora. Und auch die allseits gefürchtete Kirschessigfliege war im gesamten Rheingau und auch in den anderen Regionen überhaupt kein Thema..

Die Regentage Mitte September führten in unseren Weinbergen zum Glück kaum zum Aufplatzen der Beerenhäute und damit eintretender Fäulnis. Wir führen das auf die ökologische Bewirtschaftung unserer Weinberge zurück, durch die die Beerenhäute etwas dicker und damit widerstandsfähiger sind.

Bedingt durch die verlangsamte Reife der Trauben starteten wir dann doch nicht wie zunächst vermutet sehr früh, sondern erst am 28. September mit der Lese von perfekt gesunden Grauburgunder Trauben.

Dank der gesunden Trauben, einem motivierten Leseteam und dem optimalen Wetter konnten wir die Trauben innerhalb der Rekordzeit von nur 3 Wochen in den Keller bringen.
Die Öchslewerte bewegten sich zwischen 90-100°. Die Säurewerte bei den Burgunden lagen bei perfekten 7 Grad und bei den Rieslingen zwischen 9,5 und 13 Grad. Rein analytisch sind diese Rieslingwerte zwar hoch, jedoch ist der Anteil der reifen und milden Weinsäure im Verhältnis zur unreiferen Äpfelsäure weitaus größer. Außerdem brauchen vor allen Dingen die Rieslinge ein gesundes Säuregerüst, das den Weinen Finesse und Langlebigkeit geben wird.

Ein kleiner Teil der Rieslingtrauben hängt auch jetzt noch in den Weinbergen, in der Hoffnung auf einen Eiswein zur Abrundung dieses perfekten Jahrgangs.
Zusammenfassend können wir sagen, dass wir uns sowohl im Weißwein- als auch im Rotweinbereich auf qualitativ hochwertige Weine des Jahrgangs 2015 freuen, die sich sowohl durch ihre Fruchtigkeit als auch durch Schmelz und Fülle auszeichnen werden.

Und hier geht es zum sechzehnten Türchen des Adventskalenders….

Die Weinlese beginnt

27. September 2015 | von Eva in Allgemein - (0 Comments)


Es ist kaum zu glauben, aber schon ist ein ganzes Jahr seit der letzten – unserer ersten – Ernte vergangen. Es hat sich viel getan bei uns. So viel, dass ich nur sehr selten die Zeit und die Muße gefunden habe, meinen Blog zu pflegen. Aber das soll jetzt anders werden – mit meinem Ernte-Ticker.

Morgen geht es los. Es fängt gut an: statt 10 Polen kommen morgen erst mal nur 3, da die anderen wegen einer Autopanne noch in Polen hängen. Zum Glück haben wir noch 4 Rumänen und 2 Italiener rekrutiert und Tanja und Hubert, Freunde aus Deutschland und der Schweiz, sind auch bereits angereist. Morgen folgen Nicole, Bruno und Reinhold – endlich zieht wieder Leben ins Gutshaus ein…

Heute sind wir nochmal alle Weinberge abgefahren. Die Öchselgrade bewegen sich zwischen 78 und 93, je nach Rebsorte und Lage. Vereinzelt gibt es, vor allen bei sehr kompakten Trauben, faule Beern, aber der Wetterbericht für die nächsten 10 Tagen meldet bestes Herbstwetter, so dass noch keine Eile angesagt ist. Der Regen der letzten 14 Tage hat der Aromatik der Trauben geschadet, so dass ein paar Tage zur weiteren Konzentration des Saftes sehr willkommen sind.

Die Voraussetzungen sind also bestens, allerdings haben wir Eines von der Ernte des letzten Jahres gelernt: Auch in den letzten drei Wochen kann noch immens viel geschehen – und das nicht nur zum Guten…. Also bleiben wir bescheiden und demütig und warten geduldig ab, was noch kommen mag.

Bei dem Wetter* hielt uns heute nichts mehr am Schreibtisch und wir gingen raus zum Schneiden in „unserem“ Wisselbrunnen. Urban schneidet und ich ziehe die abgeschnittenen Rebzweige und die alten Fruchtruten raus. Dabei muss auch ich ziemlich viel schneiden und mit Kraftanstrengung die Ranken von den Drähten reisen um das Geäst von den Drähten in die Weinbergs-gasse zu befördern. Vorteil dieser Arbeit: man muss nichts dabei denken – fast nichts, denn ich muss schon ein bisschen aufpassen, dass ich die einzige Fruchtrute, die Urban beim Rebschnitt hat stehen lassen, nicht aus Versehen abschneide oder abbreche…  Einmal ist es mir passiert, und das muss das letzte und einzige Mal gewesen sein! Das tut nämlich richtig in der Seele weh, wenn man durch Unachtsamkeit das ganze Potential des Rebstocks vernichtet…. Und noch etwas tut weh, wenn man unachtsam beim Rausziehen ist: die Rebzweige wehren sich manchmal nämlich ziemlich heftig und schlagen um sich – prompt hatte ich einen mit ziemlicher Wucht an, und Teile davon in, meinem linken Auge…

Aber dafür hatte ich auch ein kleines Erfolgserlebnis. Durch die ganzjährige Arbeit mit den Händen im Weinberg habe ich anscheinend mehr Kraft in den Händen bekommen. Vor einem Jahr konnte ich nicht eine dicke Rute mit der mechanischen Rebschere durchschneiden. Heute habe ich drei Stunden lang die batteriegeladene Rebschere vom Frühjahr nicht einmal vermisst.

*apropos Wetter: so schön dieser Tag auch war, die warmen Temperaturen um diese Jahreszeit machen aus Winzersicht nicht wirklich Freude. Wir fürchten, dass die Weinberge wie im letzten Jahr wieder sehr früh austreiben und dadurch die Spätfrostgefahr umso größer ist. Und außerdem sollten endlich mal wieder die ganzen Schädlinge tüchtig erfrieren. Die Kirchessigfliege braucht kein Mensch… und die Plage im letzten Jahr könnte schon auch mit dem milden Winter 2013/14 zu tun gehabt haben.

Weinlese 14.10.

14. Oktober 2014 | von Eva in Allgemein - (0 Comments)

So schön es noch am Sonntag bei der Lese war, so deprimierend ist heute die Stimmung, nachdem wir unsere beste Lage, den Wisselbrunnen, inspiziert haben.

Den Fotoapparat hatte ich zwar dabei, aber angesichts der nassen, edelfaulen und durchweg braunen Trauben, habe ich es mir erspart, das auch noch im Bild festzuhalten.

Eigentlich hatte der Wetterbericht schon am Wochenende für Dienstag Sonnenschein vorhergesagt, doch die kam heute nur gegen 15.00 Uhr kurz raus. Bis zum Mittag hing feuchter Nebel bis in die Höhen und es gab zu allem Überfluß noch zwei Regenschauer. Die Lesemannschaft ist trotzdem draußen und liest den Hendelberg, in den aufgrund der Nässe kein Vollernter fahren kann.

Da wir bereits sehr gute Mengen ordentlicher Qualitäten geerntet haben, entschieden wir trotz allem, den Wisselbrunnen lieber hängen zu lassen, als so naß zu lesen. Vielleicht gibt es bis zum Wochenende ja doch nochmal zwei trockene Tage und dann muss alles was zwei Beine hat mit raus um diese zermürbende Erntezeit dann endlich zu beenden.

Zum Glück kennen wir es nicht anders, so dass wir diese Zeit doch ganz gut verkraftet haben. Immerhin haben wir ja richtig gute Burgunder geerntet und auch die Guts- und Ortsweine sind von solider Qualität.

Weinlese 30.09.

30. September 2014 | von Eva in Allgemein - (0 Comments)

Am Wochenende sind 5 weitere Erntehelfer angereist. Nicole und Bruno Freunde aus Augsburg, Tanja aus Hamburg und Cousin Hubert und sein Sohn aus der Schweiz und nun herrscht Leben in der Bude… Das Haus ist ja groß genug und es ist schön, endlich mal den Kühlschrank voll zu haben und nicht befürchten zu müssen, dass alles verdirbt. Nachdem gestern der letzte Ausschanktag an den Fässern war und ich heute etwas mehr Zeit hatte, konnte ich meiner Weingutsbesitzerinnen Rolle besser gerecht werden und habe ein einfaches Abendessen für alle gekocht. Das fühlte sich gut an, auch wenn ich nach dem Abendessen keine Zeit hatte für die gemütliche Runde, weil der Schreibtisch zu voll war. Natur Pur am Freitag mus vorbereitet werden, die Einladung zu unserem Erntedank sollte dringend raus, die Glorreichen Rheingau Tage mit u.a. der Riesling Gala folgen dann gleich im November und dazwischen gilt es noch die Kundenkorrespondenz zu bearbeiten. Ja, das Winzerleben ist vielseitig!

Ich hoffe nur, dass ich bei der Hauptlese „unseres“ Wisselbrunnens, und „meines“ Silvaners dabei sein kann. Gestern wurde im Wisselbrunnen die Vorlese gemacht. Wenn wir Glück haben können die verbliebenen – im Moment noch gesunden Trauben – noch eine Woche weiter reifen. Aber selbst die Vorlese hatte 85 ° Oechsle bei 10 Grad Säure, also alles im grünen Bereich. Doch am Abend gab es noch etwas Regen bei Temperaturen um 18-20 Grad. Da hält man die Luft an und schickt auch schon mal das ein oder andere Fluchen ‚gen Himmel, denn das ist gefundenes Fressen für die Fäulnis. Ich glaube, wenn man eine Videokamera auf einzelne Trauben richten würde, könnte man das Fortschreiten der Fäulnis förmlich beobachten…

Die Trauben aus dem Hassel von heute hatten 84° Oechsle bei 11,5 Grad Säure. Die Freunde meinten, man hätte sie noch hängen lassen müssen, aber so ist das eben in der Ernte – vor allem in diesem Extrem-Jahr, man muss sich entscheiden, welche Weinberge man zugunsten der Qualität der anderen Weinberge ggf. etwas zu früh liest, denn gleichzeitig geht das halt nicht. Also bleiben der Spätburgunder, der Chardoonay und der Weißburgunder noch einen Tag länger hängen, weil die noch weitgehend gesund sind und stattdessen wird morgen im Schützenhaus der Riesling gelesen.

Erntewetter

21. September 2014 | von Eva in Allgemein - (0 Comments)

Wenn auch ein wenig widerwillig, so möchte ich doch ein Wort noch zum derzeitigen Wetterzustand loswerden. Ein Zustand, wie er fast nicht schlimmer sein könnte.

Vor zwei Tagen waren wir voll Zuversicht, denn die Sorgfalt und Mehrarbeit in den Weinbergen, die wir in unserem ersten Jahr walten ließen, zeichnete sich im Vergleich mit vielen Nachbarweinbergen, unbedingt aus.

Aber das Gewitter gestern und die schwüle Feuchtigkeit mit dem Regen, der sich über Stunden hier ergoß, macht uns wieder demütig und auch ein wenig bange, wohin das noch führen soll.

Die weißen Burgunder werden wir jetzt ganz schnell holen, und die roten auch, vielleicht einen Tick früher als wir es noch letzte Woche entschieden hätten.

Aber der Riesling… der sollte wirklich noch ein wenig reifen können!

Zum Glück sagt die Wetterprognose für die kommende Woche trockenes Wetter voraus.

In diesem Fall glauben wir an die Prognose und hoffe, dass sich auch unser Herrgott danach richten will :-)….