Zugegeben, ich wußte schon letztes Jahr nicht was dieser Begriff bedeutet und hatte es auch wieder vergessen, bis ich eben den Beitrag von 2014 wieder las. Die Phänologie befasst sich mit den im Jahresablauf periodisch wiederkehrenden Entwicklungserscheinungen in der Natur, heißt es in Wikipedia, und so interpretiere ich das im Falle unseres Weinguts als eine Art Jahrgangs-Verlaufs-Bericht aus unseren Weinbergen. Da ich diesen zwar vorbereitet aber nicht veröffentlicht habe, scheint mir dies eine geeignete Gelegenheit:

Das Weinjahr 2015 war geprägt von Wetterextremen. Wiederholte sommerliche Hitzeperioden mit rekordverdächtigen Höchsttemperaturen wurden jeweils nur kurz von Abkühlungen unterbrochen, die jedoch ab Juni keinerlei Regen mehr mit sich brachten. Im September strapazierten einige regenreiche Tage kurz vor der Lese nochmals unsere Nerven, bevor ein trockener Herbst schließlich doch noch zu einem guten Ende führt.

Das Frühjahr startete mit einem dem Austrieb Ende April geringfügig früher als im Mittel. Dieser leichte Entwicklungsvorsprung blieb bis zur Rebblüte Anfang Juni erhalten. In der Folge wurde die Trockenheit zu einem immer größeren Wachstumsfaktor, denn bis Ende August fehlte uns die Regenmenge von drei durchschnittlichen Monaten.

Besonders auf flachgründigen Böden wurde das Wasser so knapp, dass die Reben die überdurchschnittliche Wärme im Juli und August nur zum Teil ausnutzen konnten und sich die Reife der Beeren sehr verlangsamte. Erstaunlicherweise mussten wir bei unserer Pinot Noir Anlage die wir letztes Jahr neu gepflanzt haben nur die schwächsten Stöcke gießen, alle anderen haben anscheinend schon so tief gewurzelt dass sie immer noch Wasser im Boden aufnehmen konnten.

Durch die andauernde Trockenheit blieben die Weinberge sehr gesund und hatten keinerlei Krankheitsdruck durch falschem Mehltau oder Peronospora. Und auch die allseits gefürchtete Kirschessigfliege war im gesamten Rheingau und auch in den anderen Regionen überhaupt kein Thema..

Die Regentage Mitte September führten in unseren Weinbergen zum Glück kaum zum Aufplatzen der Beerenhäute und damit eintretender Fäulnis. Wir führen das auf die ökologische Bewirtschaftung unserer Weinberge zurück, durch die die Beerenhäute etwas dicker und damit widerstandsfähiger sind.

Bedingt durch die verlangsamte Reife der Trauben starteten wir dann doch nicht wie zunächst vermutet sehr früh, sondern erst am 28. September mit der Lese von perfekt gesunden Grauburgunder Trauben.

Dank der gesunden Trauben, einem motivierten Leseteam und dem optimalen Wetter konnten wir die Trauben innerhalb der Rekordzeit von nur 3 Wochen in den Keller bringen.
Die Öchslewerte bewegten sich zwischen 90-100°. Die Säurewerte bei den Burgunden lagen bei perfekten 7 Grad und bei den Rieslingen zwischen 9,5 und 13 Grad. Rein analytisch sind diese Rieslingwerte zwar hoch, jedoch ist der Anteil der reifen und milden Weinsäure im Verhältnis zur unreiferen Äpfelsäure weitaus größer. Außerdem brauchen vor allen Dingen die Rieslinge ein gesundes Säuregerüst, das den Weinen Finesse und Langlebigkeit geben wird.

Ein kleiner Teil der Rieslingtrauben hängt auch jetzt noch in den Weinbergen, in der Hoffnung auf einen Eiswein zur Abrundung dieses perfekten Jahrgangs.
Zusammenfassend können wir sagen, dass wir uns sowohl im Weißwein- als auch im Rotweinbereich auf qualitativ hochwertige Weine des Jahrgangs 2015 freuen, die sich sowohl durch ihre Fruchtigkeit als auch durch Schmelz und Fülle auszeichnen werden.

Und hier geht es zum sechzehnten Türchen des Adventskalenders….

Weinlese – Endspurt

14. Oktober 2015 | von Eva in Allgemein | Weingut - (0 Comments)

Mit dem Wetterbericht ist das so eine Sache. In der vergangenen Woche schien das Hochdruckgebiet so stabil, dass für diese gesamte Woche bestes Wetter vorhergesagt wurde. Herrliche Aussichten für die Trauben – ein paar Tage mehr zur vollkommenen Reife und keinerlei Fäulnisdruck in Sicht. Doch am Samstag, Sonntag gab es bereits erste Prognosen von Regenwolken ab Mittwoch. Und so kam es dann auch. Am Dienstag also die letzte Chance „unseren“ Wisselbrunnen zu lesen. Der optimale Zeitpunkt für dieses Erntejahr, denn selbst wenn es nur wenig Regen geben würde, so sind seit Montag die Temperaturen so extrem gefallen, dass sich am Reifezustand der Trauben auch nicht mehr viel ändern würde.

Wenigstens diesen einen Lesetag wollte ich selbst miterleben, die Früchte unserer Arbeit selbst ernten, denn auch in diesem Jahr waren Urban und ich regelmäßig am Abend und am Wochenende im Weinberg um die notwendigen Handarbeiten auf 33ar der Fläche im Wisselbrunnen mit eigener Hand zu erledigen.

Der Regen kam dann sogar noch früher als vorhergesagt bereits am Mittwoch, doch das kann uns jetzt die Stimmung nicht mehr allzu sehr trüben, denn die wichtigsten und besten Parzellen haben wir rechtzeitig in den Keller geholt, wo es jetzt richtig schön duftet und rauscht.

Nur unsere polnischen Erntehelfer sind nicht so glücklich, da sie nun schon wieder zwei Tage ohne Arbeit in ihrer Unterkunft im Rheinhessischen abwarten mußten. Dummerweise hatte das Regenradar für heute den ganzen Tag Regen gemeldet, so dass wir gleich morgens Bescheid gaben, dass nicht gelesen würde. Tatsächlich fing es aber erst am späten Nachmittag zu regnen an…

Ich sag ja, der Wetterbericht ist so eine Sache…  Und wann wir nun tatsächlich die letzte Fuhre heimbringen werden, ja das weiß nur der liebe Gott – dem wir jedoch so oder so dankbar sind, dass wir auch im zweiten Jahr unseres Winzerdaseins keine Naturkatastrophe erleben mußten und unter weitaus einfacheren Wetterbedingungen als 2014 einen noch viel besseren Jahrgang 2015 haben einfahren dürfen.

Von großen Mächten wunderbar geborgen…

Weinlese 2015 – Tag 10

9. Oktober 2015 | von Eva in Allgemein | Weingut - (0 Comments)

Weinlesepanorama

Jetzt sind wir mittendrin in der Lese und vielleicht auch schon bald am Ende. Das Wetter in dieser Woche fing unbeständig und mit etwas Regen an, wurde dann aber immer stabiler. Heute blitzte häufig die Sonne hinter den Wolken hervor.

Da nun schon ca. die Hälfte der Trauben im Keller sind, und die, die noch draußen hängen wunderbar gesund aussehen, ist die Anspannung nicht mehr ganz so groß. Wir sind sehr zufrieden mit den Werten der Trauben, auch wenn die Säure beim Riesling immer noch nicht auf „Normalniveau“ gesunken ist. Die Öchslegrade liegen nun durchweg zwischen 90 und 100, so dass wir eigentlich nicht mehr länger warten müssen. Wenn das Wetter mitspielt wird die Lese also Mitte bis Ende nächster Woche beendet sein. Bis auf… Na mal sehen, ob Urban versuchen wird sich seinen Traum vom Eiswein zu erfüllen. Es gab jedenfalls viele Spinnen im Herbst, und das ist nach einer alten Bauernregel ein gutes Zeichen für einen kommenden kalten Winter.

Wenn im September viele Spinnen kriechen, sie einen harten Winter riechen.“

Auffällig in diesem Jahr ist die ungleiche Reife der Trauben in einem Weinberg. Da gab es goldgelbe reife oder überreife und gleichzeitig grüne Trauben, manchmal selbst am gleichen Stock. Die Hitze und vor allem die Trockenheit haben dazu geführt, dass die Reben in eine Art „Sommerschlaf“ gefallen sind und die Trauben nicht mehr gleichmäßig versorgt haben. Daher mussten wir diese Woche in mehreren Weinbergen eine Vorlese machen, die dann separat von den noch hängenden Trauben gepreßt, vergoren und ausgebaut wird. Erst wenn der Wein fertig ist, wird darüber entschieden, ob die Partien wieder miteinander verschnitten werden um sich in ihren analytischen aber vor allen Dingen geschmacklichen Werten wieder zu ergänzen. Normalerweise liest man die reiferen und edelfaulen Trauben zuerst und läst die noch unreiferen hängen. Im Falle des Spätburgunders haben wir es aber umgekehrt gemacht. Hier wurden die unreiferen Trauben zuerst gelesen, denn diese werden zu Blanc de Noir verarbeitet und der darf ruhig etwas frischer und rassiger sein. Die reiferen Trauben wurden direkt im Anschluss für den Rotwein gelesen und der widerum braucht vollreifes, gesundes Lesegut.

Reife Trauben

Von grün bis rot, die Farben des Rieslings 2015

 

Mit unserer Erntemannschaft sind wir sehr zufrieden, wobei ich persönlich es sehr bedauere, dass man sich gar nicht austauschen kann, weil die Deutschkenntnisse der 11 Polen und 4 Rumänen – und unsere Polnisch- und Rumänischkenntnisse – äußerst bescheiden bis gar nicht vorhanden sind. Mit Händen und Füßen wird erklärt was zu tun ist, und das war es dann auch schon. Man könnte zwar auch sagen: ein Lächeln sagt mehr als 1000 Worte, aber wie bringt man 10 gestandene polnische Männer zum Lächeln, wenn man selbst ständig unter Anspannung steht? Gar nicht so einfach. Einzig, als ich zum dritten Mal am Abend anbot, ob sie Wurstsalat (den von Natur Pur übrig gebliebenen) mit nach Hause nehmen wollten (nachdem sie auch schon zwei Mal zum Mittagessen Wurstsalat gegessen haben) entstand eine amüsierte Stimmung, als Marcin heftig abwehrte… 🙂

 

Weinlese und Natur Pur

4. Oktober 2015 | von Eva in Allgemein - (0 Comments)

Weissburgunder, Chardonnay und Grauburgunder wurden letzte Woche komplett und bei einigen Rieslingweinbergen die edelfaulen Trauben gelesen. Das gab die ersten Rekordergebnisse mit 110 Grad Öchsle und 14 Promille Säure. Bei einem PH Wert von 0,28 gibt das einen „rassigen“ Wein, der nicht ganz durchgären sollte, da sonst der Alkohol zu hoch wäre. Aber mit einer guten Portion Restsüße wird die Säure darin richtig Spaß machen und vor allen Dingen für Langlebigkeit des Weines sorgen….

Mich haben, wie schon beschrieben, die Vorbereitungen zu Natur Pur ziemlich in Atem gehalten. Zwei Abende lang kochte ich das Wildschweingulasch, kaufte tagsüber ein, organisierte das Drumherum, schrieb die Preislisten und Hinweisschilder usw, usw…  Das Wetter war ideal an diesem Tag und die Besucher strömten in Scharen. Unser Weinstand lief auch gewohnt gut, doch leider wollten die Besucher so gar keinen Wurstsalat essen… Kurz, wir haben nun reichlich davon übrig und unsere Erntemannschaft freut sich über die unerwartete Ergänzung ihrer Mittags-Brotzeit…

Super erfolgreich dagegen war der Türöffnertag, zu dem die Sendung mit der Maus aufgerufen hatte und an dem wir uns spontan beteiligten, weil die Sendung mit der Maus eine der besten Sendungen im Fernsehen überhaupt ist. Wir öffneten die Tür zu Urbans Brieftaubenschlag und es kamen ca. 30 Kinder und 20 Erwachsene um alles zum Thema Brieftauben zu erfahren. Sobald mit Herrmann Heibel ein paar Fotos schickt, werde ich diese hier noch ergänzen. Und wer den Termin verpaßt hat, darf uns jederzeit gerne ansprechen. Urban erzählt sehr gerne von seiner zweiten großen Leidenschaft neben dem Wein…

Unsere bayrisch-hamburgerisch-schweizerische „Privatlesemannschaft“ ist am Wochenende leider wieder in die diversen Richtungen nach Hause gefahren. Es war eine wunderbare, arbeitsreiche aber genauso vergnüglich wie genußreiche erste Weinlesewoche. So kann es weitergehen!

Weinlese 2015 – Tag 3

30. September 2015 | von Eva in Allgemein - (0 Comments)

Am Montag (28.09.) fingen wir mit der Lese endlich an. Doch Urban war noch nicht richtig zufrieden mit der Reife der Trauben. Die Oechsle Grade bewegen sich bei den Burgundern um die 90 Grad und darüber. Werte die ideal sind, und die wir im letzten Jahr kaum erreicht haben. Aber den Trauben fehlt noch Aroma, die Kerne und Schalen lösen sich noch nicht richtig vom Fruchtfleisch und die Säuren sind noch sehr hoch. Kurz, die sogenannte physiologische Reife ist noch nicht vorhanden.

Bildschöne Chardonnay Trauben – Die Erstgelesenen

Gestern Nachmittag wurden dann nur noch Blätter entfernt und nachdem Urban sich mit Dirk Würtz, einem Nachbar-Kollegen, ausgetauscht hatte, beendete er die Lese bis zum Montag. Das war eine riesige Enttäuschung, denn erst am Montag waren 5 Freunde aus Augsburg, Hamburg und der Schweiz angereist, die bis zum Samstag bleiben und helfen wollten. Auch 4 Rumänen waren traurig, dass sie nun 5 Tage lang nichts zu tun haben sollten.

Nach dem Abendessen, das in ziemlich verhaltener Stimmung ablief, diskutierten wir mit den Freunden über das Alternativprogramm. Blätter entfernen, Unkraut auf der Terrasse jäten, Keller streichen 🙂 …. oder doch lieber Sightseeing-Tour im Rheingau oder gleich heimfahren…? Ist Urban wirklich ganz sicher, dass er die Ernte aussetzen will? Werden die Säurewerte überhaupt noch nennenswert nach unten gehen und werden die Oechslegrade nicht zu hoch und die Weine damit zu alkohollastig?

Urban, und ich auch, war hin und her gerissen. Nächste Woche meldet der Wetterbericht wieder etwas Regen und vom letzten Jahr wissen wir, wie schnell ein gesunder Weinberg dann doch von der Fäulinis befallen wird. Fritz Groebe, ein Kollege aus Rheinhessen, beschwörte ihn, trotz der Säurewerte zu ernten. Immerhin braucht es ja auch Basisqualitäten. Für die Topqualitäten kann man dann immer noch um das Wetter pokern und die gesündesten Weinberge hängen lassen. So sah es auch Wilhelm Weil, während Andy Spreitzer morgen erst ganz allmählich mit der Ernte beginnen wird.

Kurzum, um ca. 23 Uhr entschied Urban, dass morgen mit der kleinen Mannschaft (die 10 Polen haben anderweitig Beschäftigung gefunden) gelesen wird. Und schon war die Stimmung wieder ausgelassen, wie jeden Abend!

Nach zwei entspannten Abenden mit unseren Erntehelfern…

Um 7.00 Uhr heute morgen fuhr Urban in den Weinberg und erntete die Trauben eines ganzen Rebstocks um die Zucker- und Säurewerte sicher bestimmen zu können. Der Weißburgunder hatte 97 Grad, und am Ende als alles gelesen war, waren es immer noch 94. Perfekt! Und die Säure werden wir auch noch gezügelt bekommen…

Unser Fazit dieses holprigen Lesebeginns: Wenn einem selbst die Erfahrung fehlt ist es beruhigend, sich mit Kollegen auszutauschen. Jedoch wird es dann wieder beunruhigend, wenn die Meinungen der Kollegen extrem weit auseinander gehen. Doch am Ende weiß man: es gibt keine „Wahrheit“, und insofern kann man auch nichts falsch machen.
Die echte Wahrheit und Klarheit kennt nur unser Herrgott. Und um dieser Wahrheit so nah wie möglich zu kommen, muss man ganz tief in sich hineinhören. Die Entscheidung, die man dann trifft, ist garantiert immer die Richtige….

Dazu passt übrigens ganz wunderbar, der Spruch den ich, anlässlich eines erneut wunderbar beseelten Seminars von Stefan Röder vom Team Benedikt, letzte Woche im Kloster Frauenberg gelesen habe:

 

Die Weinlese beginnt

27. September 2015 | von Eva in Allgemein - (0 Comments)


Es ist kaum zu glauben, aber schon ist ein ganzes Jahr seit der letzten – unserer ersten – Ernte vergangen. Es hat sich viel getan bei uns. So viel, dass ich nur sehr selten die Zeit und die Muße gefunden habe, meinen Blog zu pflegen. Aber das soll jetzt anders werden – mit meinem Ernte-Ticker.

Morgen geht es los. Es fängt gut an: statt 10 Polen kommen morgen erst mal nur 3, da die anderen wegen einer Autopanne noch in Polen hängen. Zum Glück haben wir noch 4 Rumänen und 2 Italiener rekrutiert und Tanja und Hubert, Freunde aus Deutschland und der Schweiz, sind auch bereits angereist. Morgen folgen Nicole, Bruno und Reinhold – endlich zieht wieder Leben ins Gutshaus ein…

Heute sind wir nochmal alle Weinberge abgefahren. Die Öchselgrade bewegen sich zwischen 78 und 93, je nach Rebsorte und Lage. Vereinzelt gibt es, vor allen bei sehr kompakten Trauben, faule Beern, aber der Wetterbericht für die nächsten 10 Tagen meldet bestes Herbstwetter, so dass noch keine Eile angesagt ist. Der Regen der letzten 14 Tage hat der Aromatik der Trauben geschadet, so dass ein paar Tage zur weiteren Konzentration des Saftes sehr willkommen sind.

Die Voraussetzungen sind also bestens, allerdings haben wir Eines von der Ernte des letzten Jahres gelernt: Auch in den letzten drei Wochen kann noch immens viel geschehen – und das nicht nur zum Guten…. Also bleiben wir bescheiden und demütig und warten geduldig ab, was noch kommen mag.