Der Tag danach

19. Oktober 2014 | von Eva in Allgemein - (0 Comments)

Irgendwas fehlt uns heute…. Bin ich etwas naiv oder einfach nur hochmotiviert? Mir hat die Erntezeit jedenfalls Spaß gemacht! Ich bin eben ein praktisch und handwerklich veranlagter Mensch und so eine Ernte ist einfach „greifbar“. Man sieht was man tut und man erntet was man verdient. Auch wenn das Wetter einen Strich durch die Endabrechnung gemacht hat, so haben wir doch, im Vergleich zum Durchschnittswinzer sehr gute und gesunde Qualitäten geerntet und auch die Menge stimmt. Im nächsten Jahr werden wir etwas mehr auf die Großwetterlage achten und lieber etwas früher, aber dafür gesund ernten. Und vielleicht machen wir es im 3. Jahr dann wieder anders, weil wir feststellen, dass überreife Trauben sehr gute und aromatische Weine entstehen lassen. Wer weiß…

Es ist und bleibt alles sehr spannend und ich bin jeden Tag wieder erneut dankbar, dass ich das erleben darf – auch wenn es anstrengend ist.

Apropos, heute haben wir uns einen fast freien Tag gegönnt. Bei Beate und Engelbert (der sich gestern mit der Flex fast den großen Zeh abgefräst hat) in Simmertal hat die Freie Wählergemeinde zur Wurst-Wanderung eingeladen. 10km Wanderweg unterbrochen von 5 Jausenstationen an denen es mal Bratwurst, mal Hausmacher Wurst, mal Wurstsuppe usw. gab. Und das ganze bei richtig „goldenem“ Herbstwetter, so wie wir es die vergangenen 14 Tagen gebraucht hätten…  Aber morgen soll es schon wieder regnen…

 

Weinlese letzter Tag 18.10.

18. Oktober 2014 | von Eva in Allgemein | Weingut - (0 Comments)

Morgen soll das Wetter zwar noch freundlicher sein, aber die Luft ist raus – bei uns wie auch beim Zuckermanagement der Trauben, die jetzt mehr als 120 Tage am Stock reifen. Normalerweise ist 100 Tage nach der Blüte der Erntebeginn, was so Mitte September gewesen wäre. So richtig angefangen haben wir jedoch erst Anfang Oktober und jetzt ist es Mitte Oktober und das Wetter ist weiter unbeständig. Fast jeden Tag gibt es mehr oder weniger Regen und wenn es nicht regnet, ist der Himmel bedeckt oder es hat bis in den frühen Nachmittag hinein Nebel.

Also heute nochmal ein letztes „Aufbäumen“ aller Kräfte und mit Hilfe von 4 Erntehelfern, die gestern bei Peter Kühn die Lese beendet haben, und weiteren 7 Helfern (darunter Urban und Thomas Schild mit Petra Cors) wurden die letzten verbliebenen Zeilen im Hendelberg und anschließend „mein“ Silvaner gelesen.

Die Rieslinge hatten 91° Oechsle und der Silvaner leider nur 76° Oechsle. Dafür war der jedoch, zumindest teilweise, noch richtig gesund. (Nachdem ich meinen Filezilla Zugang zum Hochladen von Fotos geschrottet habe und Ralf Kaiser gerade in Ribero weil und mir nicht helfen kann, versuche ich hiermit mal einen Link auf unsere Facebook-Seite…. )

Ich werd noch richtig zum „Neue-Medien-Freak“ wenn das klappt….

Und ein Foto vor der letzten Kelter des Jahres mit unserem Glas Sekt zum Anstoßen auf eine „trotzdem“ schöne und erfolgreiche Ernte 2014, gibt es sowieso nicht 🙂

Weinlese 15.10.

15. Oktober 2014 | von Eva in Allgemein - (0 Comments)

Genau 4 Wochen ist es her, dass die ersten Erntehelfer aus Polen anreisten und mit der Vorlese, sprich dem Herausschneiden von faulen Trauben begannen. So richtig gelesen haben wir nur in den vergangenen zwei Wochen, denn es gab immer noch die Hoffnung auf trockenes Wetter und Steigerung der Oechslegrade sowie Verringerung der Säurewerte.

Heute gab es mal keinen Nebel in der Frühe und die Sonne kam gegen 10.00 Uhr raus. Da bereits für morgen wieder Regen angesagt ist, stand die Entscheidung schnell fest: Heute muss der Wisselbrunnen gelesen werden, auch wenn der Hendelberg  – in den noch immer keine Erntemaschine fahren möchte – noch nicht ganz fertig gelesen ist.

So während der Woche war es gar nicht einfach, zusätzliche Lesehelfer zu beschaffen, zumal die wenigen Winzer, die bereits fertig sind Ihre Lesehelfer bereits an ihre Kollegen „ausgeliehen“ haben. So bin ich selbst ab dem Mittag  mit raus und hatte vorher noch 4 Jungs aktiviert, der Sohn mit Freunden meiner Haushaltshilfe. Im Eiltempo flogen wir durch die Reihen und haben am Ende unser Pensum geschafft. Spaß gemacht hat es nicht wirklich,  denn die Trauben waren durchweg braun von der Überreife oder der Edelfäule, und Urban und ich sind sehr gespannt, wie der Wein (88°Oechsle) am Ende schmecken wird. Trotz allem habe ich wieder mal gespürt, dass mich die körperliche Arbeit weit mehr befriedigt, als das Büro zu managen.

Morgen ist also wieder Regen angesagt und daher haben wir unsere polnischen Helfer heute ausbezahlt und eine Runde Pizza, Bier und Wein spendiert. Mit der Stamm-Mannschaft werden wir dann nochmal ausgiebig den Herbstabschluss feiern….

Aber vorher muss noch der „Schweizer Franken“ gelesen werden. Meine 4 Reihen Silvaner, die ich höchstpersönlich im Sommer gepäppelt habe und aus dem wir am Sonntag die faulen Trauben herausgeschnitten haben.

Weinlese 14.10.

14. Oktober 2014 | von Eva in Allgemein - (0 Comments)

So schön es noch am Sonntag bei der Lese war, so deprimierend ist heute die Stimmung, nachdem wir unsere beste Lage, den Wisselbrunnen, inspiziert haben.

Den Fotoapparat hatte ich zwar dabei, aber angesichts der nassen, edelfaulen und durchweg braunen Trauben, habe ich es mir erspart, das auch noch im Bild festzuhalten.

Eigentlich hatte der Wetterbericht schon am Wochenende für Dienstag Sonnenschein vorhergesagt, doch die kam heute nur gegen 15.00 Uhr kurz raus. Bis zum Mittag hing feuchter Nebel bis in die Höhen und es gab zu allem Überfluß noch zwei Regenschauer. Die Lesemannschaft ist trotzdem draußen und liest den Hendelberg, in den aufgrund der Nässe kein Vollernter fahren kann.

Da wir bereits sehr gute Mengen ordentlicher Qualitäten geerntet haben, entschieden wir trotz allem, den Wisselbrunnen lieber hängen zu lassen, als so naß zu lesen. Vielleicht gibt es bis zum Wochenende ja doch nochmal zwei trockene Tage und dann muss alles was zwei Beine hat mit raus um diese zermürbende Erntezeit dann endlich zu beenden.

Zum Glück kennen wir es nicht anders, so dass wir diese Zeit doch ganz gut verkraftet haben. Immerhin haben wir ja richtig gute Burgunder geerntet und auch die Guts- und Ortsweine sind von solider Qualität.

Weinlese 12.10.

12. Oktober 2014 | von Eva in Allgemein - (0 Comments)

Unsere polnischen Freunde kamen heute nicht. Dafür 7 fleißige Helfer aus dem Bekanntenkreis und weitere 8 aus dem angestammten Ernteteam, so dass wir sehr schlagkräftig waren und schon um 15.00 Uhr Feierabend machen mußten, weil die Kapazitäten der Presse zu Hause erschöpft waren.

Genau gesagt fingen wir am Morgen im Hassel an, die einzelnen faulen Beeren im Spätburgunder herauszupiddeln.. Eine herrliche Arbeit, die schnell von der Hand geht und ausschließlich dem Qualitätsmanagement gewidmet ist. Am Nachmittag holte die Erntemaschine die gesunden Beeren mit 92° Oechsle nach Hause.

Wir fuhren indessen zu „meinem“ Silvaner und schnitten alle faulen Trauben raus. Ca die Hälfte der Trauben mußte dran glauben. Das tut weh! Aber es macht keinen Sinn einen vom Wasser aufgequollenen Silvaner zu ernten. Entweder er hat noch ein paar Tage Zeit um wieder ein wenig Konzentrat zu entwickeln, oder wir lassen ihn einfach so hängen wie er ist. Es gibt wenig Kunden, die ihn vermissen werden. Nur ich werde traurig sein, eventuell doch keinen „Schweizer Franken“ vermarkten zu können…

Nach der Mittagspause zeigte sich stellenweise sogar die Sonne und wir ernteten bei bester Laune unseren Chardonnay ebenfalls mit 92° Oechsle. So macht Weinlese Spaß. Motivierte Erntehelfer, gutes Wetter, schöne gesunde Trauben und hie und da ein Scherz über den mindestens noch in der übernächsten Rebzeile gelacht wird.

Foto von diesem schönen Lesetag folgen….

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Weinlese 11.10.

11. Oktober 2014 | von Eva in Allgemein - (0 Comments)

Auf meinen SOS Aufruf um Lesehelfer zu aquirieren haben sich spontan Birgit und Thomas gemeldet und heute fleißig gelesen. Der Vormittag war etwas trostlos. In nassem Gras rumstapfend schnitten wir im Hendelberg weiter die essigfaulen Trauben raus, bevor wir in einer Parzelle im Schützenhaus nur die gesunden Tauben rauslasen und die edelfaulen hängen liesen (Hans hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass es noch trocken wird und wir dann wunderbare Beerenauslesen ernten könnten). Anschließend ging es weiter in eine andere Parzelle im Schützenhaus, wo wir endlich alles runterschneiden durften. Richtig fix waren dann die Einmer und Butten voll.

Leider sind wir gar nicht glücklich mit der Arbeitsmoral unserer Lesermannschaft, besser gesagt, unserer polnischen Leser. Schon letzte Woche gab es ein paar Mal Diskussionen der Polen mit unserem Außenbetriebsleiter Serdar über Pausenzeiten und weil sie nicht länger als 5 Uhr arbeiten wollten. Am Samstag Abend (nachdem wir eine Runde Steaks vom Grill ausgegeben hatten) mußte Urban sie gar überreden am Sonntag doch bitte, bitte zum Arbeiten zu kommen. Sie willigten dann ein, um 11 Uhr zu kommen. Heute ging es wieder darum, noch 3 große Traubenbehälter voll zu machen, damit die Presse gut gefüllt ist, aber die Herrschaften wollten pünktlich um 17 Uhr Feierabend machen . Angeblich ging es um Einkäufe von Lebensmittel und Brot, was aber nicht sein kann, denn die Geschäfte im Rheingau haben auch am Samstag bis 21.00 Uhr geöffnet…

Obwohl ich als „die Frau vom Chef“ die Lese durchziehen wollte, gab Serdar dann nach und wir fuhren 10 nach 17 Uhr ins Weingut. Kaum waren wir da, waren alle Polen verschwunden und haben nicht mal ihre Stunden in das Buch eingetragen. Urban war stinksauer, weil 1. keiner sich verabschiedet hat, 2. keiner nachgefragt hat, ab wann wir morgen (Sonntag) lesen und 3. der Tresterwagen noch hätte weggebracht werden müssen. Urban ist später zum Campingplatz gefahren, wo die Wohnwägen der Lesehelfer stehen um klar zu machen, dass morgen um 9 Uhr gelesen wird. Allerdings war nur ein Helfer, der kaum deutsch spricht da. Ich bin sehr gespannt, ob die Mannschaft morgen kommen wird. Falls nicht, werden wir die Lese mit dieser Mannschaft sofort zu beenden… Denn es gibt zum Glück noch viele andere fleißige Menschen, die sehr froh sind für jede Stunde die sie Geld verdienen dürfen. Und jetzt gegen Ende der Lesezeit sollte es kein Problem sein, diese Menschen zu finden.

Mit oder ohne die Polen werden wir morgen eine große Gruppe sein, denn meinem „Hilferuf“ sind noch weitere Freunde gefolgt. Anne und Ronny, Thomas Larrisika, Dieter, Heinz und Uli Nagel…. Das verspricht einen vergnüglicher Lesetag!

Weinlese 10.10.

10. Oktober 2014 | von Eva in Allgemein - (0 Comments)

Rausgehen und Trauben lesen, selbst essigfaule Trauben auszulesen ist 1000 Mal schöner und beruhigender als im Büro zu sitzen und den Regen draußen plätschern zu hören.

So habe ich den Tag bei der Lese heute richtig genossen, denn stillsitzen und abwarten, so wie bei dem Regenwetter gestern, liegt mir gar nicht. Das einzig gute daran war, dass ich meinen Schreibtisch dabei etwas „aufräumen“ und daher heute getrost mit zur Lese gehen konnte.

Weißburgunderlese

Heute blieb es trocken und es scheint auch die nächsten Tage wieder besser zu werden. Am Morgen fingen wir mit dem Weißburgunder an. Urban kam mit dem Traktor und der Spritze, war dann aber nicht ganz zufrieden mit dem Verhältnis von Aufwand und Ertrag, weil das Schützenhaus an der Stelle ziemlich geneigt ist und er bei so nassem Boden kaum fahren konnte. Also lasen wir den Weißburgunder, anfangs noch etwas naß, aber später zeigte sich sogar die Sonne ein wenig und er trocknete gut ab.(92° Oechsle immerhin!)

Topgesunder Spätburgunder im Hassel

Urban fuhr dagegen mit seinem Gebläse in den Hassel und befreite das Laub des Spätburgunders von der Nässe.
Am Mittag ging ebenfalls zum Spätburgunder, wo wir ganz ohne Schere, nur mit den Fingern oder einem kleinen Hölzchen, die einzelnen edelfaulen Beeren herauspuhlten. Botrytis ist im Rotwein nämlich gar nicht erwünscht… Der Spätburgunder war bis auf diese einzelnen Beerchen super gesund und dank Urbans Trockner-Arbeit auch trocken, so dass am Nachmittag die Lesemaschine wunderschöne und ausschließlich gesunde Beeren (mit 92° Oechsle) ernten konnte. (Wenn ich das bei einem anderen Winzer lesen würde, würde ich das nach diesem verregneten Spätsommer und Herbst nicht glauben , aber es ist wirklich wahr und die Fotos sind nicht geschönt!)

Unser Azubi Assad bei der Spätburgunder Auslese der wenigen faulen Beeren.

Ich bin der Lesemaschine gegenüber ja sehr skeptisch und würde am Liebsten alles von Hand lesen. In diesem Fall aber, wenn sichergestellt ist, dass zu 100% gesunde Trauben am Stock hängen, und noch dazu die Zeit extrem knapp ist, finde ich das richtig genial.

Die Lesemannschaft fuhr indess weiter zu einem verbliebenen Restweinberg im Hassel. Mit 15 Mann / Frau war auch dieser Riesling schnell gelesen und weil es erst 16.30 Uhr war, fuhren wir nochmals zum Hendelberg um essigfaule Trauben auszuschneiden. Dieser Weinberg ist so ziemlich das Schlimmste was ich persönlich je gelesen habe, aber das liegt sicher nur an meiner mangelnden Affinität zur Botrytis… Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass aus diesen faulen Trauben ein fruchtig und klar schmeckender Wein werden kann…., als wenn ich noch nie glasklare Beerenauslesen oder TBA verkostet hätte…! (Dass dieses Foto nicht geschönt ist, glaubt mir sicher jeder…!)