Urban schaut durch den Refraktometer Ein letzter freier Tag bevor die Weinlese beginnt. Diesen nutzten, wir um mit dem Fahrrad einen Ausflug in die Weinberge zu machen und den Reifezustand der Trauben zu überprüfen.

Neben der Verkostung der Trauben und der Gesamtbeurteilung, ob die physiologische Reife bereits eingetreten ist, wird auch der Zuckergehalt der Traube gemessen. Hierzu wählt man wahllos einige Beeren von verschiedenen Stöcken und unterschiedlich reifen Trauben aus und drückt den Saft dieser Beeren auf der Glasscheibe des Refraktometers aus. Anschließend sieht man durch den Refraktometer hindurch wie durch ein Fernrohr. An dessen Ende erkennt man dann eine Skala anhand derer man den Zuckergehalt – in Oechlsegraden gemessen – ablesen kann.

Die Trauben im Wisselbrunnen hatten 82 Grad, was schon sehr gut ist, aber noch nicht optimal. Bei schönem Wetter gibt es einen Zuwachs von ca 1-2 Grad Oechsle pro Tag. Da die Wetterprognose voraussagt, dass nun endlich eine längere trockene Periode eintreten wird, werden wir noch 7 – 10 Tage warten, bis wir den Wisselbrunnen bei hoffentlich ca 90 – 95 Grad Oechsle ernten können.

Diese kommende erste Woche der Weinlese werden wir unseren „Problemkindern“ widmen. Das sind die Grauburgunder und die Spätburgunder Weinberge. Diese waren zum Zeitpunkt des Hagels am 1. August schon etwas reifer als die Rieslinge, sprich der Saft in den Beeren hatte bereits mehr Zucker gebildet. Fliegen und Wespen stehen, wie man weiß auf süße Säfte und labten sich an unseren Beeren. Dadurch und durch den ständigen Regen im August bis heute, wurden extrem viele Infektionen verursacht, die zur sogenannten Essigfäule führten.

Aber auch die sogenannte Edelfäule (Botrytis) hat schon zugeschlagen. Diese ist jedoch im modernen Weinbau unserer Tage nur in edelsüßen Weinen wie Auslesen, Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen erwünscht. Für trockene Weine, die mit einem klaren, fruchtigen Geschmacksbild brillieren sollen, werden auch diese Trauben herausgeschnitten. In ganz modernen Kellereien kann diese Selektion bereits von Maschinen gemacht werden. Bei uns heißt es „piddeln“… d.h. jede Traube wird von den Lesehelfern begutachtet, und ggf. die faulen Trauben mit der Rebschere herausgefriemelt und wenn es richtig viel ist auch gleich ganz weggeschnitten.

Das dauert natürlich sehr viel länger und macht die Handlese in schwierigen Jahren wie diesem noch teurer, doch wir wissen, dass sich der Aufwand lohnt und letztlich von unseren Kunden honoriert wird.

 

In einfachen Jahren kann jeder Winzer einen guten Wein herstellen. Einen Spitzenwinzer erkennt man jedoch insbesondere an den schwierigen Jahrgängen….

 

Urban mit dem Fahrrad im Weinberg
Urban im Weinberg
Blick durch den Refraktometer

 

Und hier geht es zum fünfzehnten Türchen des Adventskalenders….

Weinlese 24.09.

25. September 2014 | von Eva in Allgemein - (0 Comments)

Warten auf die Presse… .

Die Suzuki Fliege scheint Ökotrauben nicht zu mögen….

Seit gestern scheint die Sonne und gibt uns Zuversicht, dass wir doch noch einen goldenen Oktober erleben können. Urban hat schon die zweite Nacht schlecht geschlafen, weil ihm so viele Dinge durch den Kopf gehen. Anders als beim Käse, der jeden Tag aufs Neue produziert wird, muss man beim Wein jeweils ein Jahr warten, bis sich anfängt zu zeigen, ob man alles richtig gemacht hat. Ich kann seine Anspannung verstehen und bin froh, dass ich diese Verantwortung ganz in seine Hände legen kann.So wie Urban froh ist, die Verantwortung für unsere Kommunikation und Vertriebsarbeit ganz mir überlassen zu können.

Auch das eine neue Erfahrung: Einen geliebten Menschen an der Seite zu haben, der die täglichen Aufgaben mit dem gleichen Enthusiasmus und dem gleichen Ehrgeiz angeht wie ich. Den die kleinen Niederlagen des täglichen Lebens genauso schmerzen wie mich, und der sich über die kleinen Schritte der täglichen Erfolge und der eintretenden Routine genauso freut wie ich. Es ist schön, eine gemeinsame Aufgabe zu haben und bei der Größe unserer Aufgabe ist es unvorstellbar, dass einer von uns diese alleine bewerkstelligen könnte. Wir sind schon ein gutes Team, Urban und ich!

Heute ging es dann so richtig los mit der Ernte und dank des guten Wetters, das auch für die nächsten Tage vorher gesagt wird, sind wir guten Mutes.

Der Basis Weißburgunder wurde heute mit 88 Öchsle geerntet und der Spätburgunder für den Blanc de Noir mit 91 Öchsle und das bei akzeptablen Säurewerten.

Etwas ärgerlich war für Urban, dass die Lesehelfer trotz seiner Anweisung, die unreiferen Geiztrauben des Weißburgunder, die meist etwas weiter oben am Stock hängen, bei der Vorlese nicht weggeschnitten hatten. Der Weißburgunder wurde nämlich mit der Maschine gelesen, und die holt alles am Stock was da hängt und kann nicht reif und reifer voneinander unterscheiden…

Ich bin ja gespannt, ob ich jemals ein Freund der Lesemaschine werde. In perfekten Jahren, oder wenn es bei der Ernte an allen Ecken und Enden „brennt“ mag sie ihre Berechtigung haben. Aber meine Idealvorstellung wäre schon, dass wir künftig alles, was irgendwie möglich ist, von Hand lesen.

Allerdings brauchen wir dafür unbedingt noch eine Lösung für die Unterkunft der Erntehelfer. Das ist hier im Rheingau wirklich ein Problem. Unsere polnischen Erntehelfer sind z.B. auf dem Hattenheimer Campingplatz untergekommen, das war aber bis zum Schluß ganz unsicher, weil der Campingplatz sich vorbehalten hatte, bereits Anfang Oktober zu schließen. Aber Ende gut alles gut, und so wird sich sicher auch im nächsten Jahr eine Lösung finden, auch wenn wir die Mannschaft etwas verstärken.