Die Hattenheimer Fässer

23. September 2014 | von Eva in Weingut - (0 Comments)

Zum zweiten Mal in diesem Jahr begann heute die Woche unseres Ausschanks an den Hattenheimer Fässern. 15 Winzer betreiben diesen Ausschank in den Rheinanlagen und sind dort wochenweise abwechselnd vertreten. Das erste Mal im Juni war ich noch sehr angespannt mit allen Vorbereitungen, denn mein eigener Leistungsdruck war wieder mal hoch. Ich wollte alles etwas netter darbieten und etwas ausgewähltere Kleinigkeiten zum Essen anbieten, als das manch unserer Kollegen tut. Vielleicht war es auch gar nicht Leistungsdruck, sondern einfach meine gastronomische Ader, die hier durchschlug.

Wir waren überrascht, wie viele Menschen hier unten an den Rhein kommen, trotz relativ schlechtem bzw. durchwachsenen Wetters im Juni. So waren wir am Ende ganz zufrieden mit den Umsätzen, doch eine andere neue Erfahrung war noch wichtiger für uns. Dort unten an den Fässern, trifft „man“ sich in Hattenheim und so lernten wir in dieser Woche sehr viele Hattenheimer und Rheingauer kennen und fühlten uns als Teil dieser Gemeinschaft. Ein weiterer Schritt für uns auf dem Weg zum „Ankommen“. Und nicht nur die Unterhaltung mit den Menschen, sondern auch die Erfahrung dort zu stehen und als die „Neuen“ im Weingut Hans Lang wahrgenommen – und sicher auch ein Stück beobachtet – zu werden, hat sehr geholfen hier heimischer zu werden.

Ja, und wie gesagt, heute war dann der erste Tag der Herbst-Ausschankwoche. Also keine ganz neue Erfahrung mehr und umso schöner, weil das Gefühl von Routine – in unserem neuen und so völlig anderem Leben – richtiggehend Glückshormone bei uns auslöst.

Damit er sich ganz den Erntevorbereitungen widmen kann, bleibt Urban heute zu Hause und ich präsentiere unsere Weine im Frankfurter Palmengarten ohne ihn. Nach ProWein, Weinbörse und Berlin und der Versteigerung ist es jetzt dass fünfte Mal, dass ich zusammen mit den anderen Winzern mit meiner Sackkarre und dem Easy-Cooler kurz vor Beginn der Veranstaltung anreise und mich keinen Deut darum scheren muß, was das VDP Team vorbereiten mußte damit die Veranstaltung gelingen kann.

Noch immer beschleicht mich ein komisches Gefühl, so wie es immer  ist, wenn man sich nicht ganz sicher in seiner Haut fühlt und gerade dann glaubt, alle Augen auf sich gerichtet zu sehen. Die Begrüßung meiner Kollegen Winzer ist wie immer sehr herzlich und doch frage ich mich gelegentlich was sie wirklich so denken. Ich bin sicher, die Allermeisten freuen sich mit mir, einige bangen sicherlich auch um mich und Urban und unseren Erfolg in der Szene und ein paar wenige werden wohl argwöhnisch beobachten, ob die ehemalige Geschäftsführerin des VDP nicht per se einen Wettbewerbsvorteil aufgrund Ihrer beim VDP gesammelten guten Kontakte in der Szene genießt. Letztere Gruppe könnte ich, sollten sie mir je ihre Gedanken  gestehen, beruhigen. Allein die Besucherfrequenz an unserem Weinguts-Stand auf den vergangenen Veranstaltungen spricht eher für die zweite Gruppe, die sehr wohl weiß, dass es nicht einfach ist, sich in der Weinwelt zu behaupten und schon gar nicht, richtig erfolgreich zu sein.

Aber trotz meines „Schattendaseins“ als Nachbar neben dem berühmten Weingut Künstler, das ständig von Besuchern umlagert wird, bin ich nicht unzufrieden mit den Kontakten der Frankfurter Präsentation, auch wenn dabei wohl eher nicht das große Geschäft rumkommen wird.

Auch das ist eine der neuen Erfahrungen, die wir gerade sammeln:

Wie sind die Gespräche mit den Besuchern der Messen zu beurteilen? Wird es Kontakte geben, aus denen „mehr“ wird als unverbindliches Verkosten? Was darf man von den positiven Kommentaren zu den Weinen halten? Sind sie ehrlich gemeint, oder macht man das einfach? Und nicht zuletzt, wie präsentiere ich mich, wie wirke ich in meiner neuen Rolle, was erwidere ich auf diverse Kommentare usw, usw,….

 

Erntewetter

21. September 2014 | von Eva in Allgemein - (0 Comments)

Wenn auch ein wenig widerwillig, so möchte ich doch ein Wort noch zum derzeitigen Wetterzustand loswerden. Ein Zustand, wie er fast nicht schlimmer sein könnte.

Vor zwei Tagen waren wir voll Zuversicht, denn die Sorgfalt und Mehrarbeit in den Weinbergen, die wir in unserem ersten Jahr walten ließen, zeichnete sich im Vergleich mit vielen Nachbarweinbergen, unbedingt aus.

Aber das Gewitter gestern und die schwüle Feuchtigkeit mit dem Regen, der sich über Stunden hier ergoß, macht uns wieder demütig und auch ein wenig bange, wohin das noch führen soll.

Die weißen Burgunder werden wir jetzt ganz schnell holen, und die roten auch, vielleicht einen Tick früher als wir es noch letzte Woche entschieden hätten.

Aber der Riesling… der sollte wirklich noch ein wenig reifen können!

Zum Glück sagt die Wetterprognose für die kommende Woche trockenes Wetter voraus.

In diesem Fall glauben wir an die Prognose und hoffe, dass sich auch unser Herrgott danach richten will :-)….

VDP Versteigerung

21. September 2014 | von Eva in Veranstaltungen | Weingut - (0 Comments)

Bereits im Frühjahr wurden wir gefragt, ob wir uns an der jährlichen VDP Versteigerung in Kloster Eberbach beteiligen. Zunächst sahen wir darin keinen rechten Sinn, meldeten uns dann trotzdem an, da wir ja zunächst erst einmal alle Erfahrungen machen möchten, die das Weingut-Dasein so bietet, bevor wir dann über Tun und Lassen entscheiden. Und die von Hans Lang übernommene Schatzkammer ruft ja förmlich danach von den Weinliebhabern und Sammlern dieser Welt entdeckt zu werden. So brachten wir gestern eine 1990er Auslese, einen 1990er Eiswein und eine 2001er Beerenauslese zur Versteigerung.

Diese beginnt zunächst mit der Vorprobe aller zur Versteigerung stehenden Weine. Warum zu dieser einzigartigen Raritätenverkostung relativ wenige Menschen kommen ist mir ein Rätsel. Dabei sind es ja nicht nur Süßweine, die zur Verkostung sprich Versteigerung stehen, sondern auch eine ganze Reihe feinster trockener Spätburgunder und Rieslinge.

Wie dem auch sei, meine beiden Freunde Heike und Holger, die ich eingeladen hatte sich dieses Event anzusehen, waren hellauf begeistert. So etwas erlebt man nicht alle Tage.

Am Nachmittag gegen 13.00 Uhr begann dann die eigentliche Versteigerung. Eine „nasse“ Versteigerung wie man so schön sagt, denn fast alle Weine kann man dann nochmals verkosten um ggf. ein spontanes Gebot an die Kommissionäre zu übermitteln.

Ja, die Kommissionäre, sie halten die Fahne hoch der Versteigerungen und doch glaube ich, wäre eine offene Versteigerung  für Alle – Kommissionäre wie Privatleute – die Lösung für die mangelnde Attraktivität der Versteigerungen. Stellt Euch vor, man könnte einfach die Hand heben und mitbieten… !

Ich jedenfalls werde mich stark machen dafür machen im Vorstand des VDP und ich glaube ich weiß schon, welches geheime „Schätzlein“ in unserem Weinkeller wir 2015 zur Versteigerung bringen werden…

Ach ja, und unsere Weine wurden übrigens gestern auch alle verkauft und das bei einem gesteigerten Preis von 40,- bis 72,– Euro für die halbe Flasche wohlgemerkt!

Der Count-Down läuft

19. September 2014 | von Eva in Allgemein - (0 Comments)

Ernte1  Nur noch wenige Tage und dann wird die Presse, die bereits aus der Ecke geholt wurde wieder im vollen Einsatz sein.

Die Erntehelfer aus Polen sind bereits angereist. Wir sind sehr gespannt, wie viele unserer Freunde und Bekannte, die sich seit Monaten zur Lese angekündigt haben, auch tatsächlich kommen werden….

Ein neues Zuhause für den Rotwein

19. September 2014 | von Eva in Weingut - (0 Comments)

Ganz neu ist das Zuhause zwar nicht, aber zumindest neu gestrichen wird der Barriquekeller.

Und die vom Grundwasser nassen Wände werden mit roten Platten abgedeckt. So kann die Feuchtigkeit zirkulieren und die Wände schauen trotzdem pikobello aus.

Barriquekeller

Na klar, man kann es schmecken, aber süß ist nicht gleich süß und wie hoch genau ist die Säure? Um das herauszufinden gibt es natürlich technische Hilfsmittel, aber das ist nicht alles. Letztlich zählt die Erfahrung des Winzers und sein Geschmackssinn und manchmal auch seine Hellseherischen Fähigkeiten.

Um möglichst wenig dem Zufall zu überlassen, habe ich mich gestern zu einem Seminar angemeldet. Es ging dabei um BSA . Nein, nicht um den Biologischen Säure-Abbau, sondern um die „Berry Sensory Analysis“- Das Seminar war nämlich in Englischer Sprache und es ging um eine systematische Methode anhand der eigenen sensorischen Fähigkeiten zu anlaysieren, wie weit der Reifegrad der Trauben fortgeschritten ist, und wie lange es wohl noch braucht, bis die optimale Reife erreicht ist. Wobei sich das optimal sehr stark danach richtet, welchen Wein man aus dem Lesegut letztlich herstellen will.

Also haben wir zunächst einiges über die Theorie des Reifeprozesses der Traube erfahren und alsdann jede Menge trauben sensorisch analysiert. Und das ist ganz ähnlich einer professionellen Weinverkostung:

Wie sieht die Traube aus und wie fühlen sich die Beeren an?
Wie gut löst sich die Haut vom Fruchtfleisch, wie ist die Konsistenz des Fruchtfleisch und wie schmeckt das Fruchtfleisch?
Wie gut läßt sich die Beerenhaut mit den Zähnen zerkleinern und wie schmeckt sie?
Wie sehen die Traubenkerne aus, wie hart sind sie und wie schmecken sie?

Alles hochinteressant und eigentlich auch ganz logisch. Auf jeden Fall werde ich ab jetzt wohl nie wieder einfach so eine Traube essen, sondern sehr gut darauf achten, was ich dabei empfinde.
Und im Beobachten werde ich lernen das Gute vom weniger Guten zu unterscheiden. So, wie es mit den meisten Lebensmitteln und natürlich auch dem Wein geht…