Weinlese 30.09.

30. September 2014 | von Eva in Allgemein - (0 Comments)

Am Wochenende sind 5 weitere Erntehelfer angereist. Nicole und Bruno Freunde aus Augsburg, Tanja aus Hamburg und Cousin Hubert und sein Sohn aus der Schweiz und nun herrscht Leben in der Bude… Das Haus ist ja groß genug und es ist schön, endlich mal den Kühlschrank voll zu haben und nicht befürchten zu müssen, dass alles verdirbt. Nachdem gestern der letzte Ausschanktag an den Fässern war und ich heute etwas mehr Zeit hatte, konnte ich meiner Weingutsbesitzerinnen Rolle besser gerecht werden und habe ein einfaches Abendessen für alle gekocht. Das fühlte sich gut an, auch wenn ich nach dem Abendessen keine Zeit hatte für die gemütliche Runde, weil der Schreibtisch zu voll war. Natur Pur am Freitag mus vorbereitet werden, die Einladung zu unserem Erntedank sollte dringend raus, die Glorreichen Rheingau Tage mit u.a. der Riesling Gala folgen dann gleich im November und dazwischen gilt es noch die Kundenkorrespondenz zu bearbeiten. Ja, das Winzerleben ist vielseitig!

Ich hoffe nur, dass ich bei der Hauptlese „unseres“ Wisselbrunnens, und „meines“ Silvaners dabei sein kann. Gestern wurde im Wisselbrunnen die Vorlese gemacht. Wenn wir Glück haben können die verbliebenen – im Moment noch gesunden Trauben – noch eine Woche weiter reifen. Aber selbst die Vorlese hatte 85 ° Oechsle bei 10 Grad Säure, also alles im grünen Bereich. Doch am Abend gab es noch etwas Regen bei Temperaturen um 18-20 Grad. Da hält man die Luft an und schickt auch schon mal das ein oder andere Fluchen ‚gen Himmel, denn das ist gefundenes Fressen für die Fäulnis. Ich glaube, wenn man eine Videokamera auf einzelne Trauben richten würde, könnte man das Fortschreiten der Fäulnis förmlich beobachten…

Die Trauben aus dem Hassel von heute hatten 84° Oechsle bei 11,5 Grad Säure. Die Freunde meinten, man hätte sie noch hängen lassen müssen, aber so ist das eben in der Ernte – vor allem in diesem Extrem-Jahr, man muss sich entscheiden, welche Weinberge man zugunsten der Qualität der anderen Weinberge ggf. etwas zu früh liest, denn gleichzeitig geht das halt nicht. Also bleiben der Spätburgunder, der Chardoonay und der Weißburgunder noch einen Tag länger hängen, weil die noch weitgehend gesund sind und stattdessen wird morgen im Schützenhaus der Riesling gelesen.

Statuts Quo Ernte 28.09.

29. September 2014 | von Eva in Allgemein - (2 Comments)

Den Betrieb an den Fässern ausgenommen, war heute nochmal „Ruhe vor dem Sturm“ in den Weinbergen. Ich selbst war ja lange nicht mehr draußen und hatte mir ehrlich gesagt ein etwas rosigeres Bild ausgemalt. Aber bei unserer heutigen Weinbergs-Rundfahrt mussen wir feststellen, dass in „unserem“ Wisselbrunnen, der Parzelle, die Urban und ich ganz alleine gepflegt haben (also sämtliche Arbeiten wie Schneiden, Biegen, Heften, Trauben teilen, Entblättern haben ausschließlich wir beide gemacht und hoffentlich finde ich irgendwann die Zeit über diese Neuen Erfahrungen ausführlicher zu berichten), nun doch ziemlich heftig die Fäulnis um sich zu greifen beginnt. Ab morgen muss da rigoros ausgelesen werden, damit die verbliebenen gesunden Trauben noch ein paar Tage länger ausreifen können. Hoffentlich bleibt genügend Menge hängen, dass wir unsere 20 Reihen separat ausbauen können, denn Urban hat mir erklärt, dass kleine Mengen, die Presse zu lange blockieren, die in der kommenden Woche sicherlich permanent belegt sein wird. Mmmh, dann müssen wir halt eine Nachtschicht mehr einlegen….

Eine große Freude war dagegen unseren Spätburgunder in der Top-Parzelle im Hassel anzusehen. Nur ganz vereinzelte von der Fäulnis befallene Beeren und um die 100 ° Oechsle. Die beiden neuen Barriquefässer, das künftige „Zuhause“ für diesen Wein, sind diese Woche auch schon aus Frankreich geliefert worden. Das wird spannend!

Hattenheimer Fässer

29. September 2014 | von Eva in Allgemein | Veranstaltungen - (0 Comments)

Kaum kommt die Sonne raus im Rheingau, herrscht Hochbetrieb am Rheinufer. Schon gestern am Samstag zog der Betrieb an den Hattenheimer Fässern enorm an und wir rüsteten auf mit Brezeln, Spundekäs und Franz Kellers Leberwurst. Doch alles half heute nichts, gegen 17.00 Uhr waren wir total ausverkauft. Ärgerlicher als der dadurch entgangene Umsatz ist für mich, die erwartungsvoll ankommenden Leute enttäuschen zu müssen. Selbst die Campunade, neben Wasser unser einziges alkoholfreies Getränk war ausverkauft. Da kann ich etwas verärgerte Eltern schon verstehen. Dabei wollten wir gar nicht sparsam sein, konnten nur einfach nicht den Verbrauch eines Sonnentages einschätzen, nachdem schon unsere Juni Auschankwoche ziemlich verregnet war und diese Woche mit eiskaltem Wetter am Abend begann.

Der Tag heute war auch gleichzeitig ein Vorgeschmack auf den kommenden Freitag. Am 2. Oktober findet traditionsgemäß die Weinveranstaltung „Natur Pur“ in den Hattenheimer Weinbergen statt. 15 Winzer schenken im Weinberg ihre Weine aus und bieten allerhand kleine Speisen dazu an. Letztes Jahr haben Urban und ich das bereits miterlebt und finden es unbegreiflich, warum sich so viele Leute bei schönem Wetter in den Rheingau begeben, so als gäbe es keinen anderen schönen Landstrich in der Umgebung. Uns kann es ja recht sein, aber ich würde es mir kein zweites Mal antun, mich bei Hin- und Rückfahrt in den kilometerlangen Stau in und aus dem Rheingau einzureihen, ganz zu schweigen von dem Verkehrschaos in den kleinen Ortschaften und der überfüllten Gastronomie.

Am Freitag nun, fällt auch noch der Bahnverkehr aufgrund umfangreicher Baumassnahmen aus und auf der Bundesstraße vor Hattenheim befindet sich gerade eine Mega-Baustelle. Das kann heiter werden und ich empfehle jedem, den Rheingau am Freitag lieber zu meiden und statt dessen zu unserem Erntedank am 25. und 26. Oktober nach Hattenheim zu fahren.

Da kann man sagen, Fluch und Segen einer Metropolenregion wie Rhein-Main. Ein Weingut wie z.B. an der Nahe hat es viel schwerer Privatkunden zu sich ins Weingut zu holen und die Lage unseres Weinguts ist, neben vielen anderen Vorzügen, einer der Großen Pluspunkte, der Urbans Kaufentscheidung immens beeinflusst hat….

Unsere Raritätenliste

26. September 2014 | von Eva in Allgemein - (0 Comments)

Leider kann ich mich in diesen Tagen ja nicht in Weinberg und Keller austoben, sondern muss im Büro die Stellung halten. Heute hat mich mal wieder meine Schatzkammerliste beschäftigt.

Diese Liste ab dem Jahrgang 2009 und älter besteht aus ca. 250 Positionen, wobei „nur“ ca. 150 Positionen einen Bestand von mehr als 12 Flaschen aufweisen. Es sind ein paar ältere Rotweine und auch trockene Weine darunter, aber vornehmlich handelt es sich um Spätlesen, Auslesen, Beerenauslesen, Trockenbeerenauslesen und Eiswein. Spätlesen und Auslesen gibt es in 0,375 Ltr Flaschen und 0,75 Ltr. Flaschen – manchmal vom gleichen Jahrgang – und Auslesen und Beerenauslesen gibt es mit und ohne „Goldkapsel“ – ebenfalls vom gleichen Jahrgang.

Wenn nun ein Händler anfragt nach einer Liste von Schatzkammerweinen und deren Preise, ist es jedes Mal eine wahnsinnige Herausforderung eine fundierte Auskunft über die verfügbaren Mengen zum machen. Aber ich komme mit jedem Tag meinem Ziel ein wenig näher, nicht nur die Bestandszahlen, sondern auch die AP Nr., die Analysedaten, etwaige Besonderheiten und Weinbeschreibungen sowie Handels- und Endkundenpreise in einer Liste zu führen.

Wenn ich dann noch jeweils die Anzahl der vorrätigen Vorder- und Rückenetiketten dort eingetragen habe, dann habe ich es geschafft! Aber halt, dann ist noch nicht gesagt, dass zu dieser speziellen Flasche auch die passende Kapsel vorrätig ist….. 🙂

Weinbestände, Preise, Etiketten, Flaschen und dazu passende Kapseln – es hört sich so banal an, aber ich betrachte diese Themen als momentan größte (na ja, vielleicht auch nur lästigste) Herausforderungen meines neuen Lebens….

Weinlese 25.09.

25. September 2014 | von Eva in Allgemein - (0 Comments)

Grauburgunder 92 Oechsle, 9 Säure

Außer der kleinen Menge Grauburgunder (ca 800 Ltr.) war die Lesemannschaft heute damit beschäftigt die faulen Trauben in einem Rieslingweinberg herauszuschneiden.

20-30 % Mengenreduzierung und entsprechende Qualitätssteigerung für die Basisqualitäten. Die Säurewerte sind zwar mit 13 g noch ziemlich hoch, aber ich habe heute gelernt, dass alleine das Stehenlassen der Trauben in den Bottichen bis morgen früh, die Säure um 1 g reduziert. Und alle anderen Rieslingweinberge können wir noch sehr gut einige Tage hängen lassen, so dass die Partie mit etwas höhrere Säure kaum ins Gewicht fallen wird.

Die Rieslinge heute stammen von einem Weinberg, den ein Winzerkollege für uns bewirtschaftet. Wir haben mit ihm einen sogenannten Pacht- und Bewirtschaftsungsvertrag abgeschlossen und er bewirtschaftet den Weinberg für uns nach unseren Vorgaben. Zufrieden waren wir mit dem Ergebnis natürlich nicht, aber wir haben daraus gelernt, dass wir uns das ganze Jahr hindurch stärker auch um diese Weinberge und um das was der Winzer dort tut bzw. nicht tut, kümmern müssen, damit auch dort die Qualitäten wachsen hinter denen wir stehen können.

Allerdings muß ich den Winzer auch gleichzeitig entschuldigen, denn dieses Jahr war ein extrem schwieriges Jahr, wahrscheinlich schwieriger als 2013, denn nach einem wahnsinnigen Reifevorsprung im frühen Sommer (wir dachten schon die Lese beginnt am 10. September) war das Wetter im Juli und August bekanntlich höchst mäßig und viel zu naß. Eigentlich fast ein Wunder, dass wir trotzdem gesunde Trauben ernten können. Und dass unsere Weinberge im Vergleich mit vielen Nachbar-Weinbergen noch so gut aussehen liegt ganz gewiß u.a. an der ökologischen Bewirtschaftung. Die Trauben werden widerstandsfähiger und gleichzeitig aromatischer. Und natürlich macht sich auch die akribische Weinbergsarbeit durch Urban und Serdar bezahlt….

Weinlese 24.09.

25. September 2014 | von Eva in Allgemein - (0 Comments)

Warten auf die Presse… .

Die Suzuki Fliege scheint Ökotrauben nicht zu mögen….

Seit gestern scheint die Sonne und gibt uns Zuversicht, dass wir doch noch einen goldenen Oktober erleben können. Urban hat schon die zweite Nacht schlecht geschlafen, weil ihm so viele Dinge durch den Kopf gehen. Anders als beim Käse, der jeden Tag aufs Neue produziert wird, muss man beim Wein jeweils ein Jahr warten, bis sich anfängt zu zeigen, ob man alles richtig gemacht hat. Ich kann seine Anspannung verstehen und bin froh, dass ich diese Verantwortung ganz in seine Hände legen kann.So wie Urban froh ist, die Verantwortung für unsere Kommunikation und Vertriebsarbeit ganz mir überlassen zu können.

Auch das eine neue Erfahrung: Einen geliebten Menschen an der Seite zu haben, der die täglichen Aufgaben mit dem gleichen Enthusiasmus und dem gleichen Ehrgeiz angeht wie ich. Den die kleinen Niederlagen des täglichen Lebens genauso schmerzen wie mich, und der sich über die kleinen Schritte der täglichen Erfolge und der eintretenden Routine genauso freut wie ich. Es ist schön, eine gemeinsame Aufgabe zu haben und bei der Größe unserer Aufgabe ist es unvorstellbar, dass einer von uns diese alleine bewerkstelligen könnte. Wir sind schon ein gutes Team, Urban und ich!

Heute ging es dann so richtig los mit der Ernte und dank des guten Wetters, das auch für die nächsten Tage vorher gesagt wird, sind wir guten Mutes.

Der Basis Weißburgunder wurde heute mit 88 Öchsle geerntet und der Spätburgunder für den Blanc de Noir mit 91 Öchsle und das bei akzeptablen Säurewerten.

Etwas ärgerlich war für Urban, dass die Lesehelfer trotz seiner Anweisung, die unreiferen Geiztrauben des Weißburgunder, die meist etwas weiter oben am Stock hängen, bei der Vorlese nicht weggeschnitten hatten. Der Weißburgunder wurde nämlich mit der Maschine gelesen, und die holt alles am Stock was da hängt und kann nicht reif und reifer voneinander unterscheiden…

Ich bin ja gespannt, ob ich jemals ein Freund der Lesemaschine werde. In perfekten Jahren, oder wenn es bei der Ernte an allen Ecken und Enden „brennt“ mag sie ihre Berechtigung haben. Aber meine Idealvorstellung wäre schon, dass wir künftig alles, was irgendwie möglich ist, von Hand lesen.

Allerdings brauchen wir dafür unbedingt noch eine Lösung für die Unterkunft der Erntehelfer. Das ist hier im Rheingau wirklich ein Problem. Unsere polnischen Erntehelfer sind z.B. auf dem Hattenheimer Campingplatz untergekommen, das war aber bis zum Schluß ganz unsicher, weil der Campingplatz sich vorbehalten hatte, bereits Anfang Oktober zu schließen. Aber Ende gut alles gut, und so wird sich sicher auch im nächsten Jahr eine Lösung finden, auch wenn wir die Mannschaft etwas verstärken.

Weinlese 23.09.

23. September 2014 | von Eva in Allgemein - (0 Comments)

Nach dem fürchterlichen schwülen Regen am Wochenende fuhren Hans und Urban gestern morgen mit banger Erwartung in die Weinberge. Doch sie kamen Gottseidank nicht niedergeschmettert zurück, sondern nur mit dem festen Vorsatz noch in dieser Woche die Burgunder und einige Basis-Rieslinge zu lesen. Urban hätte zwar gerne noch mehr aus dem Weißburgunder „herausgekitzelt“, aber angesichts der noch immer nicht langfristig stabilen Wetterlage ist es vernünftiger peu a peu hereinzuholen was geht, damit am Ende nicht alles gleichzeitig in Eile vom Stock geschnitten werden muss.  Aber zuerst ist erst mal der Basis-Weißburgunder dran, wenn die Wetterprognosen stabiler werden sollten, können wir immer noch entscheiden, die besten Trauben etwas länger hängen zu lassen.

Bisher hatten wir nur 100 Liter Gewürztraminer auf der Kelter, der wächst hinter der Kelterhalle an der B 42 Richtung Rhein und mußte dringend ab, bevor die Vögel den Rest gefressen hätten. Hans hatte eigentlich immer etwas mehr Gewürztraminer und diesen oft sogar als eigenständigen Wein ausgebaut, doch um Urbans gigantische Taubenhäuser aufstellen zu können, mußten im letzten Herbst 6 Reihen der Anlage ausgehackt werden. So richtig lohnt sich also der Anbau dieser Rest-Stöcke nicht mehr, doch es sind die ältesten Reben des Weinguts, noch von Hans‘ Vater vor mehr als 40 Jahren gepflanzt.

Und außerdem hätten wir momentan sowieso noch keinen „Nerv“ das Grundstück, das nicht bebaut werden darf, als Garten oder als Weide für Kühe, Ziegen, Schafe oder Schweine zu nutzen….