In den Startlöchern zur Weinlese 2017

17. September 2017 | von Eva in Weingut

 

Urban schaut durch den Refraktometer Ein letzter freier Tag bevor die Weinlese beginnt. Diesen nutzten, wir um mit dem Fahrrad einen Ausflug in die Weinberge zu machen und den Reifezustand der Trauben zu überprüfen.

Neben der Verkostung der Trauben und der Gesamtbeurteilung, ob die physiologische Reife bereits eingetreten ist, wird auch der Zuckergehalt der Traube gemessen. Hierzu wählt man wahllos einige Beeren von verschiedenen Stöcken und unterschiedlich reifen Trauben aus und drückt den Saft dieser Beeren auf der Glasscheibe des Refraktometers aus. Anschließend sieht man durch den Refraktometer hindurch wie durch ein Fernrohr. An dessen Ende erkennt man dann eine Skala anhand derer man den Zuckergehalt – in Oechlsegraden gemessen – ablesen kann.

Die Trauben im Wisselbrunnen hatten 82 Grad, was schon sehr gut ist, aber noch nicht optimal. Bei schönem Wetter gibt es einen Zuwachs von ca 1-2 Grad Oechsle pro Tag. Da die Wetterprognose voraussagt, dass nun endlich eine längere trockene Periode eintreten wird, werden wir noch 7 – 10 Tage warten, bis wir den Wisselbrunnen bei hoffentlich ca 90 – 95 Grad Oechsle ernten können.

Diese kommende erste Woche der Weinlese werden wir unseren „Problemkindern“ widmen. Das sind die Grauburgunder und die Spätburgunder Weinberge. Diese waren zum Zeitpunkt des Hagels am 1. August schon etwas reifer als die Rieslinge, sprich der Saft in den Beeren hatte bereits mehr Zucker gebildet. Fliegen und Wespen stehen, wie man weiß auf süße Säfte und labten sich an unseren Beeren. Dadurch und durch den ständigen Regen im August bis heute, wurden extrem viele Infektionen verursacht, die zur sogenannten Essigfäule führten.

Aber auch die sogenannte Edelfäule (Botrytis) hat schon zugeschlagen. Diese ist jedoch im modernen Weinbau unserer Tage nur in edelsüßen Weinen wie Auslesen, Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen erwünscht. Für trockene Weine, die mit einem klaren, fruchtigen Geschmacksbild brillieren sollen, werden auch diese Trauben herausgeschnitten. In ganz modernen Kellereien kann diese Selektion bereits von Maschinen gemacht werden. Bei uns heißt es „piddeln“… d.h. jede Traube wird von den Lesehelfern begutachtet, und ggf. die faulen Trauben mit der Rebschere herausgefriemelt und wenn es richtig viel ist auch gleich ganz weggeschnitten.

Das dauert natürlich sehr viel länger und macht die Handlese in schwierigen Jahren wie diesem noch teurer, doch wir wissen, dass sich der Aufwand lohnt und letztlich von unseren Kunden honoriert wird.

 

In einfachen Jahren kann jeder Winzer einen guten Wein herstellen. Einen Spitzenwinzer erkennt man jedoch insbesondere an den schwierigen Jahrgängen….

 

Urban mit dem Fahrrad im Weinberg
Urban im Weinberg
Blick durch den Refraktometer

 

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