Die Seminarteilnehmer lauschen aufmerksam dem Vortrag.

Das Demeter Seminar regte sichtlich zum Nachdenken an

 

Mit der Zertifizierung unseres Weingutes durch Demeter ist die Umstellung auf den biologisch-dynamischen Weinbau noch lange nicht abgeschlossen. Vielmehr bedeutet für uns diese Zertifizierung eher nur einen Einstieg in diese ganz eigene Gedankenwelt des Naturwissenschaftlers und Anthroposophen Rudolph Steiner und in die Umstellung vielerlei Prozesse und Arbeitsweisen.

Im März besuchte Urban Kaufmann daher ein Seminar der Demeter Akademie auf dem Dottenfelderhof in Bad Vilbel und sammelte Eindrücke um weitere Denkprozesse anzustoßen.

Neben Fragen zur Betriebsumstellung und dem Demeter-Verband waren für ihn vor allen Dingen die praktische Aspekte relevant: Was zeichnet einen lebendigen Boden aus? Welche Wirkung können die Präparate zeigen und worauf kommt es bei ihrer Lagerung und Ausbringung an? Welche besondere Stellung nimmt das Tier im Betriebsorganismus ein und wozu brauchen wir eine biodynamische Pflanzenzüchtung?

Den Kopf voller neuer Impulse aber auch Fragen und Unsicherheiten, resümiert Urban die Seminarwoche mit den Worten

 „Ich muss nicht alles über die Biodynamie wissen, aber wenn die Erfahrung zeigt, dass es funktioniert und die Trauben – und also auch meine Weine – durch diese Maßnahmen immer besser werden, dann ist ein großes Ziel erreicht.“

Unser Wisselbrunnen

Zu Beginn jeden Jahres fragt Urban mich erneut, ob wir „unsere“ Parzelle im Wisselbrunnen wieder selbst bearbeiten wollen. Wie kann er nur auf die Idee kommen, dass ich das nicht möchte….?

Auch wenn die Arbeit am Abend und an den Wochenenden gemacht werden muss, möchte ich es nicht missen, selbst im Weinberg zu stehen und den Verlauf der Natur zu folgen. Nicht nur, dass uns das sehr viel praktische Erfahrung vermittelt, Weinbergsarbeit ist wohltuend für Geist und Körper.

Die beiden Fotos entstanden allerdings nicht im Wisselbrunnen, sondern in der Junganlage des Spätburgunders in Hallgarten, wo wir Anfang Juli die Traubenzone entblätterten.

Biodynamischer Weinbau

2017 ist das erste Jahr, in dem wir unsere Weinberg nicht nur ökologisch sondern auch nach biodynamischen Richtlinien bewirtschaften. Dazu gehört u.a., dass wir in Wasser dynamisierte Pflanzenstärkungsmittel ausbringen. Auf diesem Foto, dynamisiert Urban zum Beispiel gerade ein Hornmistpräparat, indem er ca. 100 g des Präparates in 30 Ltr. (Menge für 1 Hektar Rebfläche) Wasser für ca 1 Std. abwechselnd rechts- und linksherum rührt. Hier, beim Demeter Verband, dem wir nun mit unserem Weinbaubetrieb angehören,  ist nachzulesen, was es mit den Präparaten so auf sich hat….

Frostnächte im April

Das erste Präparat das Urban ausbrachte, war Baldrian, dem positive Auswirkungen auf den Wärmehaushalt der Pflanze nachgesagt wird. Grund für diese Maßnahme war die Vorbereitung auf die Frostnächte am 19. und 20. April 2017, die uns nach der Rückkehr aus dem Osterurlaub im fast sommerlichen Piemont große Sorgen bereiteten. Die Reben waren zu diesem Zeitpunkt schon ausgetrieben, und jeder, der Balkonpflanzen zu Hause hat, kann sich vorstellen, dass gerade diese jungen Triebe extrem empfindlich sind. Vielleicht lag es wirklich am Baldrian, dass wir tatsächlich keine nennenswerten Ausfälle registrieren konnten? In jedem Fall war es beruhigend für unsere Nerven, etwas zu tun, statt tatenlos zu warten was geschieht.

Hagelschlag im August

Nach einer gewissen „Schockstarre“ holten die Reben, dann den Vorsprung, den sie durch das extrem warme Frühjahr hatten, wieder auf. Das trockene Wetter während der Blüte im Juni sorgte dann für eine prächtige, fast zu gute Entwicklung, denn die Trauben wuchsen sehr kompakt, was nach den ständigen Regenfällen im August zu großem Fäulnisbefall führte. Doch vorher traf es unsere Weinberge schlimmer, durch den Hagelschlag in der Nacht zum 1. August. Ein Datum, dass wir uns alleine deshalb so gut merken können, da der 1. August der Nationalfeiertag der Schweiz ist.  Hier hatte ich schon im August berichtet und Fotos der getroffenen Reben gezeigt….

Erntezeit

Die Erntezeit war wieder der gesellige Höhepunkt des Jahres im Weingut. Sämtliche Gästebetten waren von Freunden belegt, die zusammen mit unseren rumänischen Erntehelfern ein super motiviertes Team bildeten, dem selbst die anstrengende Selektionsarbeit, die Laune nicht verdarb.

Auch wenn das Jahr 2017 als ein schwieriges Jahr in die Analen der Winzer – nicht nur des Rheingaus – eingehen wird, so sind wir doch dankbar, dass wir trotz, Frost, Hagel und Fäulnis eine einigermaßen durchschnittliche Erntemenge heimbringen konnten. Und noch wichtiger: auch die Weine in den Fässern entwickeln sich sehr gut.

Mit einem blauen Auge davongekommen können wir also jetzt resumieren:

Wenn es solche Jahre wie 2017 nicht gäbe, wüssten wir uns gar nicht so richtig über die einfachen Jahre zu freuen….

Pinot Noir Ernte

2. Oktober 2017 | von Eva in Allgemein | Weingut - (0 Comments)

Wenn Sie sehen möchten, wie die geernteten und entrappten Pinot Noir Trauben weiter verarbeitet werden, dann lohnt ein Blick in dieses Video. Die Trauben werden mit Hilfe von Trockeneis gekühlt, so dass die Inhaltsstoffe der Traubenschalen einige Tage auslaugen können. Durch diese kühle Verarbeitung entstehen besonders fruchtige Weine mit einem sehr feinen Tanningerüst. Wenn die Maische dann wieder etwas an Temperatur gewinnt, startet die Gärung.

 

Urban schaut durch den Refraktometer Ein letzter freier Tag bevor die Weinlese beginnt. Diesen nutzten, wir um mit dem Fahrrad einen Ausflug in die Weinberge zu machen und den Reifezustand der Trauben zu überprüfen.

Neben der Verkostung der Trauben und der Gesamtbeurteilung, ob die physiologische Reife bereits eingetreten ist, wird auch der Zuckergehalt der Traube gemessen. Hierzu wählt man wahllos einige Beeren von verschiedenen Stöcken und unterschiedlich reifen Trauben aus und drückt den Saft dieser Beeren auf der Glasscheibe des Refraktometers aus. Anschließend sieht man durch den Refraktometer hindurch wie durch ein Fernrohr. An dessen Ende erkennt man dann eine Skala anhand derer man den Zuckergehalt – in Oechlsegraden gemessen – ablesen kann.

Die Trauben im Wisselbrunnen hatten 82 Grad, was schon sehr gut ist, aber noch nicht optimal. Bei schönem Wetter gibt es einen Zuwachs von ca 1-2 Grad Oechsle pro Tag. Da die Wetterprognose voraussagt, dass nun endlich eine längere trockene Periode eintreten wird, werden wir noch 7 – 10 Tage warten, bis wir den Wisselbrunnen bei hoffentlich ca 90 – 95 Grad Oechsle ernten können.

Diese kommende erste Woche der Weinlese werden wir unseren „Problemkindern“ widmen. Das sind die Grauburgunder und die Spätburgunder Weinberge. Diese waren zum Zeitpunkt des Hagels am 1. August schon etwas reifer als die Rieslinge, sprich der Saft in den Beeren hatte bereits mehr Zucker gebildet. Fliegen und Wespen stehen, wie man weiß auf süße Säfte und labten sich an unseren Beeren. Dadurch und durch den ständigen Regen im August bis heute, wurden extrem viele Infektionen verursacht, die zur sogenannten Essigfäule führten.

Aber auch die sogenannte Edelfäule (Botrytis) hat schon zugeschlagen. Diese ist jedoch im modernen Weinbau unserer Tage nur in edelsüßen Weinen wie Auslesen, Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen erwünscht. Für trockene Weine, die mit einem klaren, fruchtigen Geschmacksbild brillieren sollen, werden auch diese Trauben herausgeschnitten. In ganz modernen Kellereien kann diese Selektion bereits von Maschinen gemacht werden. Bei uns heißt es „piddeln“… d.h. jede Traube wird von den Lesehelfern begutachtet, und ggf. die faulen Trauben mit der Rebschere herausgefriemelt und wenn es richtig viel ist auch gleich ganz weggeschnitten.

Das dauert natürlich sehr viel länger und macht die Handlese in schwierigen Jahren wie diesem noch teurer, doch wir wissen, dass sich der Aufwand lohnt und letztlich von unseren Kunden honoriert wird.

 

In einfachen Jahren kann jeder Winzer einen guten Wein herstellen. Einen Spitzenwinzer erkennt man jedoch insbesondere an den schwierigen Jahrgängen….

 

Urban mit dem Fahrrad im Weinberg
Urban im Weinberg
Blick durch den Refraktometer

 

Schlimmes Unwetter

12. August 2017 | von Eva in Allgemein | Weingut - (0 Comments)

In der Nacht vom 31. Juli auf den 1. August zog ein schlimmes Unwetter von Nordwesten über dem Taunus kommend über den Rheingau. Insbesondere die Gemeinden Mittelheim, Oestrich, Hallgarten und Hattenheim wurden von schwerem Hagelschlag getroffen. Da wir ausschließlich Lagen in Hallgarten und Hattenheim bewirtschaften hat es sämtliche unserer Flächen mehr oder weniger getroffen. Ganz schlimm sieht es bei unseren Spätburgundern in Hallgarten aus.

In den Tagen nach dem Gewitter war es zum Glück trocken, so dass die beschädigten Beeren einigermaßen eintrocknen konnten. Doch seit dem 8. August regnet es fast täglich und gestern und vorgestern fielen jeweils über 20 Liter / qm². Wir wagen kaum in die Weinberge zu fahren um nachzusehen, was diese Feuchtigkeit anrichtet….

Beschädigte Trauben auf der Westseite

Tauben auf der Westseite

Auf der Ostseite keine Schäden

Die gleiche Trauben auf der Ostseite

vom Hagel beschädigte Spätburgundertrauben vom Hagel durchlöcherte Blätterstark beschädigte Traube

 

 

Vom Fass in die Flasche

15. Juli 2017 | von Eva in Allgemein | Weingut - (0 Comments)

Monotone Arbeiten, bei denen ich meinen Gedanken nachhängen kann, mache ich liebend gerne….

Diese Woche war geprägt vom Abfüllen und Kommissionieren unseres ersten großen Auftrags für Hongkong und China. Vincent Chan mit seiner Handelsfirma „Brands of Germany“ lanciert die Premiummarke „Kaufmann“ in Asien.

Alle zur Verfügung stehenden Hände mussten mit anpacken, bis die 10.000 Flaschen  gefüllt, etikettiert und in Kartons verpackt waren.

Da alles mehr oder weniger reibungslos lief, hat die Aktion viel Spaß gemacht, und das, obwohl das Abfüllen der Weine nicht gerade zur Lieblingsbeschäftigung eines Winzers zählt.

Warum das so ist, lässt sich anhand der Geräuschkulisse in diesem Video ganz gut nachempfinden…