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Ökologischer Weinbau

Februar 22nd, 2015 | Posted by Urban in Allgemein | Weingut - (0 Comments)

Vergangene Woche nahm ich an einem einwöchigen Kurs zum Thema „Einführungskurs ökologischer Weinbau“ teil, den der Ökoverband ECOVIN im Kloster Jakobsberg durchgeführt hat.

In der Einleitung des Programmflyers hieß es:

„Hohe Betriebsmittelaufwendungen, Verluste an wertvoller Bodenkrume, Nitratauswaschungen und administrativ festgelegte Mengenerträge haben auch im Weinbau in den letzten Jahren ein Umdenken herbeigeführt. Immer mehr Winzer versuchen auf chemisch – synthetische Stoffe zu verzichten.
Gerade der Weinbau ist als Monokultur ein sehr anfälliges System, dass durch intensive pflegerische Maßnahmen geschützt werden muss. Der ökologische Weinbau bietet Maßnahmen und Verfahren an, mit denen die Gesundheit von Boden und Reben langfristig gefördert und erhalten werden kann…. “

Rechts: unsere Weinberge im Herbst 2014, beide Gassen begrünt

Nachdem ich im letzten Jahr hautnah erleben durfte welche Vor- aber auch Nachteile ökologischer Weinbau hat, (unser Weingut ist seit dem Jahrgang 2012 zertifiziert) war ich natürlich sehr gespannt was die Referenten zu verschiedensten Themen zu berichten wussten. Eine Weiterbildung ist ja immer ein Abgleichen von Theorie, Praxis und den eigenen Vorstellungen.

Die rund 30 Teilnehmer kam aus allen Teilen Deutschlands und sogar eine kleine Gruppe aus Holland war dabei. Von Weinhändler über Hobbywinzer bis hin zu Profis war alles vertreten.

Der erste Tag:
Der vielfältige Themenreigen begann am ersten Tag mit dem Vortrag „ der Boden als Grundlage des ökologischen Weinbaus – der Boden als lebendiger Organismus“. Ein sehr spannendes Thema. Die Wetterschwankungen werden immer extremer. Das Klima wird wärmer, die trockenen Perioden werden immer länger, aber auch die Niederschläge werden immer intensiver. Viele Böden sind mit dieser Situation überfordert und so kommt es, dass die Maschinen und Vollernter tiefe Spuren hinterlassen, die man nicht so einfach wieder beheben kann.

Eines der Hauptanliegen des ökologischen Weinbau ist daher die Begrünung der Gassen zwischen den Reben und deren Bearbeitung, denn durch gezielte Maßnahmen kann man hier dem Boden wieder richtig Leben „einhauchen“. Oft ist es so, dass jede zweite Gasse umgebrochen wird und die andere mit einer Begrünung versehen ist, und nach ca 3 Jahren wird gewechselt. So wurde es auch im Weingut Hans Lang praktiziert.
2014 wollte ich nun die offene Gasse mit einer vielseitigen Samenmischung einsäen und die bisherige begrünte Zeile umbrechen. So weit so gut. Ich wählte sorgfältig aus mehreren Anbietern und Samenmischungen meine Aussaat der Wahl, und bereitete alles perfekt für die Einsaat vor. Der Samen wurde ausgebracht und wir warteten auf die ersten grünen Spitzen. Jedoch hatten wir nicht mit dem warmen und trockenen Frühjahr gerechnet, denn der Samen benötigte bald dringend Regen, der leider nicht kam. Die Einsaat wuchs so langsam und so schwach, dass ich sehr enttäuscht war. Die ganze Arbeit war fast vergebens…!!!
Als dann der Boden dann doch noch grün wurde, war der Zeitpunkt für das Umbrechen der alten Gasse schon zu spät, denn mit dem Umbrechen des Bodens wird viel Stickstoff freigesetzt. So ein Stickstoffschub, der wie eine riesige Düngemitteldosis wirkt, war zu diesem Zeitpunkt jedoch absolut unerwünscht, da die einzelnen Beeren an der Traube sehr groß und sich in der Reifephase gegenseitig abquetschen würden…. und das hieße große Fäulnisgefahr.
Also was Tun??? Wir entschieden, den Weinberg auf Vollbegrünung umzustellen. Das heißt seither ist bei uns jede Gasse ist begrünt und dadurch besser befahrbar. Im Oktober 2014, der ja bekanntlich extrem nass war  wurde sehr viel Wasser von den Gräsern aufgenommen und stand damit nicht den Reben zur Verfügung. Die Beeren wurden nicht zu prall und somit blieben unsere Reben länger gesund, was uns von den Kollegen im Ort mehrfach bestätigt wurde. Fazit: Glück im Unglück!

Der zweite Tag:
„ Nährstoffversorgung im System ökologischer Weinbau“
Ebenfalls ein sehr spannendes Thema. Ziel muss es sein, das Bodenleben so zu versorgen dass sich die Rebe darin wohl fühlt und keine Mangelerscheinungen zeigt. Ein Satz der sich vielleicht im ersten Moment komisch liest, aber ist tatsächlich so. Ein intakter Boden der keine Bodenverdichtungen hat, viele Bodenlebewesen besitzt ( Regenwürmer… ) ist ein guter Weinbergs Boden. Und wie bekommt man so einen Boden? Einerseits ist hier auch die Begrünung der Gassen extrem wertvoll und zusätzlich bringen wir regelmäßig – vor allen Dingen dort, wo die Reben ein eher schwaches Wachstum oder Mangelerscheinungen zeigen, organische Dünger (Kompost) in den Weinberg ein.

Dritter Tag.
„Pflanzengesundheit im ökologischen Weinbau“
Es ist nicht so, dass im ökologischen Weinbau nicht gegen Krankheiten gespritzt wird, aber es sind ganz andere Mittel wie in konventionellen Weinbau. Der Pflanzenschutz kann für Ökobetriebe sehr schwierig sein, und dies ist wohl auch der häufigste Grund warum nicht mehr Winzer auf ökologischen Weinbau umstellen. Die konventionellen Mittel dringen in die Pflanze ein und wirken dadurch stärker und auch länger und bieten dem Winzer mehr Sicherheit.
Wir dagegen nutzen Mittel (Schwefel und Kupfer), die „nur“ an der Oberfläche der Rebe wirken und schützen damit die Rebe vor Peronospora (falscher Mehltau) und Odium (echter Mehltau). Weitere organische Mittel, die wir verwenden stärken die Rebe und machen sie widerstandsfähig gegen Krankheiten. Man könnte das auch als „Hilfe zur Selbsthilfe“ bezeichnen…

Vierter Tag:
„ Richtlinien, Kontrolle und Deklarationsfragen“
Ohne Bürokratie geht es leider nicht… so wurde uns erklärt was wir z.B. auf das Etikett schreiben müssen und wie gross die Buchstaben dafür sein müssen. Dieser Workshop war für mich persönlich nicht besonders interessant, da unser Weingut ja schon auf ökologischen Weinbau umgestellt ist. Da mehrere Gruppen gebildet wurden, konnte ich jedoch unserer Gruppe verschiedene Tipps geben auf was man bei einer Umstellung achten muss.

Fünfter Tag:
„ biologisch – dynamischer Weinbau“
Die Einführung gab uns einen Einblick in den biologisch – dynamischen Weinbau und seine Umsetzung in der Praxis. Ein zweiter Teil war die Bedeutung der Präparate und der deren Einsatz in der Praxis.
Da mich dieses Thema extrem interessiert und ich auch schon die ein oder anderen „Maßnahme“ in 2015 fest eingeplant habe, werde ich zu diesem Thema ein anderes Mal berichten…

Urbans Traum

Januar 21st, 2015 | Posted by Urban in Allgemein | Persönliches - (1 Comments)

Nach meiner Ausbildung als Käser und 12 jähriger Selbständigkeit mit einer Appenzeller Käserei in einem Dorf in der Nähe von St. Gallen wurde in mir die Frage immer präsenter, ob ich mit Anfang 40 vielleicht doch noch einmal etwas ganz Neues wagen sollte. Das Interesse und die Liebe zum Wein waren in den letzten Jahren allmählich und durch manchen Zufall gewachsen und ich verbrachte relativ viel Zeit damit, mir die Weinguts-Immobilienangebote der Toskana und des Piemonts anzusehen. Mit meinem Bruder besichtigte ich dann das ein oder andere Weingut, merkte aber sehr schnell, dass meine Schweizer Mentalität nicht ganz zu dem italienischen Lebens- und Arbeitsstil passten. Also war klar, dass der Traum eines eigenen Weinguts eher im deutschsprachigen Raum, sprich Österreich oder Deutschland zu verwirklichen wäre.

Bei Freunden im Remstal hatte ich schon so manche vergnügliche Abendstunde nach vollbrachtem Tagwerk im Weinberg genossen, so dass ich mich selbst auf die Probe stellen wollte, ob mir die tagtägliche Arbeit im Weinberg auch noch Freude machen würde. So bewarb ich mich beim Weingut Bachtobel im Kanton Thurgau um eine „Praktikatenstelle“.

So oft es ging fuhr ich im Jahr 2012 am Mittag die 30 km nach Weinfelden um mich bei den täglich anfallenden Arbeiten im Weinberg und Keller nützlich zu erweisen. Trotz der Doppelbelastung schmeckte mir diese Arbeit sehr gut und ich begann mehr und mehr Pläne zu schmieden, wie ich das Projekt Weingut in die Tat umsetzen könnte.

Dabei stieß ich in im Internet auf das Angebot von Erhard Heitlinger, der Weinbaubetriebe bei strategischen Fragen unterstützen wollte. Ich nahm Kontakt zu ihm auf und ab da machte  Erhard Weingüter für mich ausfindig , deren Nachfolgesituation ungeklärt war und die einen Nachfolger oder einen Investor suchten.

Irgendwann kam dann die Frage von Erhard, ob ich denn ganz alleine sei, bzw. das Weingut alleine – ohne Frau –  führen wollte. Diese Vorstellung schien ihm sichtbar suspekt bzw. unsvorstellbar. Ich gab ihm das Signal, dass er auch in dieser Hinsicht „vermitteln“ dürfe.

Fortsetzung folgt….

Von Tauben und Täubern

Januar 19th, 2015 | Posted by Urban in Tauben - (0 Comments)

Erste Annäherungsversuche….

Wer in diesen Tagen bzw. am Abend oder frühen Morgen an meinen Taubenhäusern vorbei fährt, dem fällt auf, dass das Licht immer brennt. Es ist nämlich an der Zeit, dass ich mich um die Züchtung junger Tauben kümmere. Das Licht simuliert länger werdende Tage und verleiht den Tauben Frühlingsgefühle, so ähnlich wie beim Menschen, die „Schmetterlinge im Bauch“.

Über den Winter leben die Täubinnen (weibl.) und die Täuber (männl.) in von einander getrennten Schlägen. In der vergangenen Woche, habe ich dann die in meinen Augen idealen „Traumpaare“ zusammengebracht. Das entscheide ich ganz nach der jeweiligen Abstammung (dem Stammbaum) und den körperlichen Merkmalen der einzelnen Tauben. In den meisten Fällen, gelingt meine Verkupplung auch und wird zur „Liebe auf den ersten Blick. Nach ca 8 Tagen liegen dann die ersten Eier im „Liebesnest“.

Fortsetzung folgt…

 

Die Taubensaison – Verbandsausstellung in Dortmund

Januar 11th, 2015 | Posted by Urban in Tauben - (0 Comments)

Tauben

Heute war „mein Tag“. Nachdem ich im vergangenen Jahr mein einziges und liebstes Hobby neben dem Weinbau ziemlich vernachlässigen mußte, hoffe ich, in diesem Jahr etwas mehr Zeit für meinen „Sport“ aufbringen zu können. Und so machte ich mich heute in aller Frühe mit zwei Brieftauben-Kollegen auf nach Dortmund.

Wie jedes Jahr werden dort Anfang Januar die besten Brieftauben der vergangenen Saison anlässlich der Deutschen Verbandsausstellung zur Schau gestellt.

Die Deutsche Verbandsausstellung ist – um es in der Weinsprache auszudrücken – mit der Weinbörse in Mainz zu vergleichen. So wie man hier die besten Weine Deutschlands und deren Erzeuger kennenlernen und bewundern kann, so kann man in Düsseldorf die besten Tauben ansehen und bewundern und mit deren Züchtern Kontakt aufnehmen. In Düsseldorf trifft sich alles was zum Thema Brieftauben – in Mainz alles was zum Thema Wein – Rang und Namen hat.

Neben den ca. 1000 ausgestellten Tauben gibt es in den beiden Messehallen zig Stände von Zulieferern für das Taubenhobby. Von Futtermitteln, Zusatzprodukten, Reisekörbe bis hin zu Taubenschlägen und Transport-Lkw für Wettflüge kann man hier alles finden, was das Taubenzüchterherz höher schlagen läßt. Eben genau so, wie man sich an der Weinbörse über Korken, Verschlüsse und Weingläser informieren kann.

In einem Punkt, ist der Deutsche Taubensport allerdings der Deutschen Weinbranche um Welten voraus: Deutschland ist das Eldorado des weltweiten Taubensports!. So lockt die Ausstellung nicht nur jede Menge Besucher aus den Nachbarländern an, sondern auch zahlreiche Asiaten. Chinesen und Japaner sind nämlich verrückt nach den „Rennpferden des kleinen Mannes“ und die Wetteinsätze dort erreichen gigantische Höhen, die in unseren Breiten – nicht nur beim Thema Wein – unvorstellbar sind. So jetet man dann nach Dortmund um sich über die aktuell leistungsfähigsten Abstammungen zu informieren und Investitionen zu tätigen. Dabei wechselt eine Taube schon mal für einen 5 stelligen Betrag ihren Besitzer, der auf eine leistungsfähige Nachzucht spekuliert.

Ich dagegen war heute recht sparsam und habe nur ein paar Zusatzprodukte erstanden, die mir dabei helfen sollen, mit meinem Stamm auf die vorderen Plätze meines Vereins zu rücken und zu beweisen, dass auch ein „kleiner“ Schweizer im Deutschen Taubensport mithalten kann.